
Wir planen, ab 2026 unseren humanoiden Roboter, den 4NE1, für den breiten Einsatz auf den Markt zu bringen. David Reger, Neura Robotics – Bild: Neura Robotics GmbH 
Auch wenn Humanoide heutzutage das Tagesgespräch in der industriellen Robotik dominieren, haben auch AMRs noch ein riesiges unausgeschöpftes Potenzial. Jonas Witt, Cartken – Bild: Cartken GmbH 
Humanoide sind für vielseitige Aufgaben ausgelegt, erreichen jedoch nicht die Traglast, Verfügbarkeit und Kosteneffizienz von AMRs. Gregor Spieker, Teradyne Robotics – Bild: Teradyne Robotics (Germany) GmbH 
Gregor Kolls, Filics – Bild: Filics GmbH 
Dennis Mronga, DFKI – Bild: DFKI 
Das Thema Functional Safety ist bei Humanoiden ein relevanter Faktor für die Skalierung, vor allem in den USA und in Europa. Zu diesem Thema erwarte ich bereits im Laufe von 2026 einen Durchbruch. An ersten Ansätzen arbeiten wir bereits gemeinsam mit Herstellern humanoider Roboter. Größere Stückzahlen erwarten wir dann in 2027. Florian Weißhardt, Synapticon – Bild: Synapticon GmbH 
Bild: Filics GmbH 
Bild: Filics GmbH 
Bild: DFKI 
Bild: DFKI
@Interview_Grundschrift: Wann rechnen Sie mit den ersten humanoiden Robotern in Serienreife? @Interview_Grundschrift:Florian Weißhardt, Synapticon: Dafür müssen wir erst einmal den Begriff Serienreife definieren. Es gibt bereits heute schon humanoide Roboter, die in Stückzahlen von mehreren Hundert bis mehreren Tausend unterwegs sind. Das betrifft aber hauptsächlich den Forschungs- und Entertainment-Bereich, und das in erster Linie in Asien. Betrachten wir aber die Marktreife für den industriellen Einsatz, dann sieht es Stand heute noch dünn aus. Hier ist das Thema Functional Safety ein relevanter Faktor, vor allem in den USA und in Europa. Zu diesem Thema erwarte ich bereits im Laufe von 2026 einen Durchbruch. An ersten Ansätzen arbeiten wir bereits gemeinsam mit Herstellern humanoider Roboter. Größere Stückzahlen erwarten wir dann in 2027. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Dennis Mronga, DFKI: Die Stückzahlen, die asiatische Hersteller derzeit vorhalten, sind schon recht hoch. Es gibt bereits die Möglichkeit, solche Systeme zu kaufen, doch die Zuverlässigkeit ist hier noch fraglich. Bis diese Systeme, die derzeit eher für den Consumer-Bereich sinnvoll sind, wirklich für die industrielle Anwendung geeignet sind, werden noch ein paar Jahre vergehen. Aber es wird mit Sicherheit so kommen. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Gregor Kolls, Filics: Ich sehe alle derzeitigen humanoiden Systeme klar noch in der Entwicklungsphase. Da ist gerade durch zahlreiche Funding-Aktivitäten allerdings viel Geld und Bewegung im Markt. Daher rechne ich auch mit Durchbrüchen, aber noch nicht morgen und auch noch nicht übermorgen. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Gregor Spieker, Teradyne Robotics: Ähnlich wie beim autonomen Fahren wird es mehrere technologische Reifegrade geben, bevor humanoide Systeme zuverlässig eingesetzt werden können. Die Industrie benötigt heute skalierbare, sichere Lösungen – weshalb bewährte Technologien wie Cobots und AMRs weiterhin im Fokus stehen, wenn es um unmittelbaren ROI geht. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Jonas Witt, Cartken: Serienreife und Serienproduktion sind bei der Menge an momentan investiertem Kapital und Hype schon fast nicht mehr aussagekräftig, da der Fokus darauf liegt, in den Markt einzudringen – koste es, was es wolle. Wenn wir Serienreife als den Zeitpunkt bezeichnen, bei dem sowohl Hersteller als auch Anwender einen Mehrwert in diversen Applikationen aus dem Verkauf und Betrieb humanoider Roboter ziehen, reden wir wahrscheinlich über weitere fünf bis zehn Jahre. Um diesen heutzutage etwas konservativen Standpunkt zu untermauern, vergleiche ich den Humanoiden-Hype gerne mit dem der selbstfahrenden Autos, da hier viele Parallelen bezüglich investiertem Kapital, Hype und Komplexität bestehen. Die Autos von Waymo waren vor zehn Jahren schon näher an der Marktreife als humanoide Roboter es heute sind. Der wahre Endgegner wird die Verlässlichkeit im täglichen Betrieb und die Flexibilität bei den Aufgaben werden, die Menschen täglich lösen. Der Einsatz von Humanoiden beschränkt sich heutzutage noch mehr oder weniger auf den Demobetrieb. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:David Reger, Neura Robotics: Wir planen, ab 2026 unseren humanoiden Roboter, den 4NE1, für den breiten Einsatz auf den Markt zu bringen. Entscheidend für die Serienreife ist nicht allein die Fertigung, sondern die Schließung der Datenlücke: Humanoide Roboter benötigen Milliarden realer Interaktionen, um zuverlässig und flexibel zu funktionieren. Jeder Einsatz trägt dazu bei, dass unser Neuraverse, der größte physische Robotik-Datensatz, wächst. Mit jedem Roboter, der lernt und arbeitet, erweitern alle Roboter im System ihre Fähigkeiten. So entsteht ein selbstverstärkender Datenkreislauf, der die nächste Stufe der industriellen Automatisierung ermöglicht. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift: Welche Einsatzgebiete sehen Sie konkret für humanoide Roboter? @Interview_Grundschrift:Spieker, Teradyne Robotics: Humanoide Roboter könnten künftig in Servicetätigkeiten oder variablen manuellen Aufgaben eingesetzt werden, bei denen menschlich anmutende Interaktion Vorteile bietet. In der industriellen Logistik steht jedoch die Funktion über der Form: Räder sind effizienter als Beine und Arme müssen für effektives Handling nicht der menschlichen Anatomie entsprechen. Spezialisierte AMRs und Cobots bleiben für Transport- und Handhabungsaufgaben deutlich wirtschaftlicher und skalierbarer. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Witt, Cartken: Die ersten Anwendungsfelder werden in nicht-kollaborativen Bereichen sein, bei denen Fehler tolerierbar sind. Hier lassen sich die momentanen Schwächen wie Industrial Safety und Verlässlichkeit umgehen. Manche Firmen versuchen auch, humanoide Roboter mit Teleoperation zu bootstrappen, um so aus der Industrie und Haushalten Trainingsdaten zu sammeln. Auch wenn das dann zum Teil beeindruckend aussieht und eine Rückfallebene für den autonomen Betrieb darstellt, verzerrt es etwas die Wahrnehmung, was die Technik heutzutage tatsächlich kann. Ich denke, die ersten Anwendungen werden eher grobmotorische Tätigkeiten, wie die Handhabung von Boxen, Paketen und größeren Bauteilen sein. Ein iPhone werden Humanoide noch nicht so bald zusammenbauen können. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Reger, Neura Robotics: Humanoide Roboter sind vor allem für den Einsatz in Industrie und Dienstleistung geeignet; zu einem späteren Zeitpunkt sehen wir sie auch im privaten Umfeld vor. Sie können repetitive Aufgaben in Fertigung, Logistik und im Gebäudemanagement übernehmen, können im Smart Home unterstützen und zur öffentlichen Infrastruktur beitragen. Durch strategische Partnerschaften mit Unternehmen wie Schaeffler und Vorwerk integrieren wir unsere Roboter direkt in bestehende Prozesse. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Weißhardt, Synapticon: Ich sehe die ersten Use Cases vor allem in Richtung Entertainment, Security und Inspektion. Der humanoide Roboter fungiert hier in erster Linie als mobile Sensorplattform. Danach kommen sicherlich auch die Use Cases in den Bereichen Logistics und Manufacturing, aber immer in einer Aufgabenteilung mit mobilen Robotern. Denn bei großen Mengen an Transportgütern oder besonders schweren Transportgütern, die über lange Transportstrecken verbracht werden müssen, ist der Einsatz von humanoiden Robotern nicht wirtschaftlich sinnvoll. Der öffentliche Bereich, z.B. Gesundheitswesen, Handwerk, Bahnhöfe, Flughäfen, oder sogar Privathaushalte sind für mich noch ein ganzes Stück weiter weg. Allerdings ist der private Bereich der Use Case für humanoide Roboter, der das größte Skalierungspotential aufweist. Hier ist aber noch viel Entwicklung nötig, was die Bereiche KI-Fähigkeiten, Anschaffungspreis und Safety angeht. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Mronga, DFKI: Ich sehe erste Anwendungen auch im Inspektionsbereich, wo nicht viel Interaktion mit der Umgebung stattfinden muss. In der industriellen Fertigung glaube ich noch nicht so schnell an den serienmäßigen Einsatz von humanoiden Robotern. Hier sind noch eine Reihe von Problemen zu bewältigen, insbesondere in der Montage von Bauteilen und in unstrukturierten Umgebungen. Ich sehe einen Einsatz im Consumer-Bereich gegebenenfalls früher. Die Kosten für ein humanoides System werden weiter sinken, da viele Hersteller ihre Systeme sehr aggressiv in den Markt pushen. Einsatzmöglichkeiten vermute ich erst einmal im reinen Entertainment, später dann auch als Haushaltshelfer. In der Intralogistik werden mobile Systeme langfristig die bessere Wahl bleiben. Ein humanoides System, das über Hindernisse hinwegsteigen kann, ist hier nicht nötig. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Kolls, Filics: Man wird automatisieren, was automatisierbar ist. Humanoide lassen sich vor allem in den Umgebungen gut einsetzen, die für den Menschen gebaut wurden, wie viele Warenhäuser und Produktionsstätten. Die klassische Robotik erobert immer noch mehr Einsatzbereiche, vor allem in flexiblen Produktionsumgebungen, aber sicher wird es auch dort sinnvolle Einsatzorte für humanoide Roboter geben. Was das Thema Inspektion angeht, ist die Frage, ob so ein komplexes System wie ein humanoider Roboter hier wirklich nötig ist. Manchmal reicht eine stationäre Kamera aus. In anderen Fällen ist vielleicht ein hundeähnlicher Roboter auf vier Beinen sinnvoller als einer auf zwei Beinen. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift: Werden humanoide Roboter langfristig AGV und AMR ablösen? @Interview_Grundschrift:Reger, Neura Robotics: Humanoide Roboter sind darauf ausgelegt, kognitive und physische Fähigkeiten zu vereinen. Dadurch können sie Aufgaben übernehmen, die klassische AGVs und AMR nicht bewältigen können, insbesondere in unstrukturierten oder dynamischen Umgebungen. Langfristig werden humanoide Roboter AGV/AMR-Lösungen nicht vollständig ersetzen. Sie werden als übergeordnete, flexibel einsetzbare Plattform die klassische Robotik ergänzen und in zahlreichen Anwendungsfällen teilweise ablösen. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Mronga, DFKI: AGVs sind in strukturierten Umgebungen sinnvoller einzusetzen und Humanoide dort, wo Systeme über Hindernisse, wie umherliegende Kabel, hinwegsteigen müssen. Dort wo beide Systeme zusammen eingesetzt werden, ist vor allem das Zusammenspiel von Hard- und Software entscheidend. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Weißhardt, Synapticon: Laufgeschwindigkeit und Energieeffizienz sind bei mobilen Robotern viel besser als bei Humanoiden. In wenig komplexen Umgebungen sind AMR und AGV immer die bessere Lösung. Aber auch eine kombinierte Flotte aus mobilen Robotern und Humanoiden, die dann die Aufgaben übernehmen, die für den Menschen konzipiert wurden, kann sinnvoll sein. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Kolls, Filics: Es wird auf jeden Fall ein Gemeinsam von mobilen und humanoiden Robotern geben. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Witt, Cartken: Die Anwendungsfelder von humanoiden und mobilen Robotern sind grundlegend verschieden. Selbst wenn es heutzutage schon verlässliche humanoide Roboter zu attraktiven Preisen gäbe, würde der Einsatz für höhere Traglasten, Strecken und Bewegungsgeschwindigkeiten keinen Sinn machen. Eine Kombination ist dagegen sehr sinnvoll. Gerade mit Hinblick auf die Schwierigkeit, humanoide Roboter nach etablierten Industrial Safety Standards zu zertifizieren, können AMRs in Bereiche mit humanoiden Robotern fahren, von diesen be- und entladen werden und so das Verbindungsglied in die Menschenwelt und weiter entfernten Orten bilden. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Spieker, Teradyne Robotics: Humanoide Roboter werden AMRs und AGVs nicht in großem Umfang ersetzen. Humanoide sind für vielseitige Aufgaben ausgelegt, erreichen jedoch nicht die Traglast, Verfügbarkeit und Kosteneffizienz von AMRs. AMRs sind in standardisierten Transportprozessen führend und bieten heute bereits erprobte Skalierbarkeit und Sicherheit. Humanoide könnten diese Systeme in Nischenanwendungen ergänzen, sie jedoch nicht ersetzen. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift: Wie lautet abschließend Ihre Zukunftsvision? @Interview_Grundschrift:Mronga, DFKI: Meine Zukunftsvision als Forscher ist: Humanoide Robotik für jedermann, sowohl in der Industrie als auch im Privaten. Wenn die Anschaffungspreise auf um die 1.000 Euro sinken, ist dies auch für einen durchschnittlichen Haushalt eine Option. Meine Vision ist, dass sich Humanoide genauso grazil, dynamisch und robust durch ihre Umgebung bewegen und mit ihr interagieren können wie der Mensch. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Weißhardt, Synapticon: In meiner Vorstellung wird es weiterhin mobile neben humanoiden Robotern geben. Mobilität, Feinmotorik, Sensorik und ein menschenähnliches Gehirn sind die Eigenschaften, die humanoide Roboter kopieren, und es spricht nichts dagegen, dass mobile Roboter sich hier annähern und eine KI-Steuerung, Sensorik und zwei Arme auch auf einem radgetriebenen Roboter implementiert werden. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Kolls, Filics: Die Entwicklung wird voranschreiten und humanoide Roboter werden sicherer, können komplexere Aufgaben lösen und uns lästige Aufgaben abnehmen. Das würde sicherlich viele begeistern. Wichtig ist aber, dass der Mensch dabei die Kontrolle behält. Gefährlich ist immer, wenn Menschen ihr Denken auslagern. Die Kombination aus Mensch und Technologie ist essentiell. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Reger, Neura Robotics: Unsere Vision ist eine offene, skalierbare Plattform, die als Betriebssystem der physischen Welt alle Maschinen, Sensoren und Gebäude intelligent vernetzt. Sie bildet die Grundlage für eine neue Ära der Zusammenarbeit zwischen Menschen und Robotern. Im Zentrum steht datengestützte Physical AI: Millionen vernetzter Roboter lernen kontinuierlich aus realen Anwendungen, verbessern sich selbstständig und teilen ihr Wissen über das Neuraverse. So wird Robotik für breite Anwendungsfelder nutzbar und kann einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung des Fachkräftemangels und der Herausforderungen des demografischen Wandels leisten. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Spieker, Teradyne Robotics: Die Zukunft liegt in KI-gestützter, aufgabenspezifischer Automatisierung, die sich leicht integrieren und skalieren lässt. Intelligente AMR-Flotten werden einfacher zu implementieren sein, wodurch der Bedarf an Expertenwissen sinkt und Arbeitskräftemangel ausgeglichen wird. Unser Ansatz ist Physical AI für realen ROI – adaptive Automatisierung, die Produktivität hier und jetzt steigert. @Interview_Grundschrift: @Interview_Grundschrift:Witt, Cartken: Auch wenn Humanoide heutzutage das Tagesgespräch in der industriellen Robotik dominieren, haben auch AMRs noch ein riesiges unausgeschöpftes Potenzial. Der Mittelstand nutzt mobile Robotik nur vereinzelt, da die meisten Lösungen nicht flexibel und/oder kosteneffizient für den breiten Einsatz sind. Die Zukunft sieht rosig aus. Humanoide Roboter eröffnen neue Möglichkeiten bei der Handhabung von Gegenständen in der Intralogistik und AMRs erobern langsam auch Bereiche außerhalb von Amazons Warenlagern – besonders der Sprung von perfekten menschenleeren Umgebungen in gemischte Umgebungen inklusive Außenbereichen ist hier der Schlüssel, um die nächste Ära der mobilen Robotik einzuläuten.
Dr. Dennis Mronga
Post-Doctoral Researcher, DFKI
Gregor Kolls
Co-Founder und CEO, Filics
Dr. Florian Weißhardt
Leiter der Intelligence Business Unit, Synapticon
Jonas Witt
CTO und Co-Founder, Cartken
Gregor Spieker
Country Manager, Teradyne Robotics
David Reger
CEO und Founder, Neura Robotics


















