
Wie das Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen in einer Pressemitteilung erläutert, steht der Obstbau vor großen Herausforderungen. Fachkräftemangel, steigende Betriebskosten und der wachsende Druck, Ressourcen effizient einzusetzen, erhöhen den Bedarf an innovativen Technologien. Robotik, Automatisierung und digitale Assistenzsysteme bieten hierfür Potenzial. Die Forschenden betonen, dass es einer engen Zusammenarbeit zwischen Technologieentwicklern und Anwendern bedarf, um diese Lösungen aus der Forschung in den Betriebsalltag zu überführen.
Living Labs bringen Forschung und Praxis zusammen
Hier setzt das Interreg-Projekt ‚Living Lab für Präzision und Robotisierung im Obstbau (LivLabPRoFruit)‘ an. Darin baut das aus dem Werkzeugmaschinenlabor heraus initiierte Center Smart Industrial Agriculture (CSIA) gemeinsam mit Partnern aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden grenzüberschreitende Living Labs auf. Ziel ist es, neue Technologien unter realen Einsatzbedingungen zu entwickeln, zu testen und gemeinsam mit Obstbaubetrieben zur Marktreife zu bringen.
Das Center Smart Industrial Agriculture bündelt die Kompetenzen der RWTH Aachen in den Bereichen Produktionstechnik, Automatisierung und Biotechnologie. Die WZL-Lehrstühle für Werkzeugmaschinen und für Produktionssystematik bringen hier ihre Erfahrung in den Bereichen Produktionssysteme, Automatisierungstechnik und Digitalisierung ein und übertragen bewährte Methoden der industriellen Produktion auf landwirtschaftliche Anwendungen.
Technologietransfer mit Co-Creation
Kern des Projekts sind sogenannte Co-Creation Groups, in denen Obstbaubetriebe, Technologieunternehmen und Forschungseinrichtungen eng zusammenarbeiten. Die beteiligten Partner entwickeln und bewerten Robotik- und Präzisionslandwirtschaftssysteme gemeinsam und erproben diese direkt in der Praxis. Das WZL betont, dass Anforderungen aus dem Betriebsalltag auf diese Weise frühzeitig in die Entwicklung einfließen und technologische Ansätze gezielt an die Bedürfnisse der Anwender angepasst werden können.
„Mit LivLabPRoFruit übertragen wir bewährte Methoden und Technologien aus der Produktionstechnik auf den Obstbau. Entscheidend ist dabei nicht allein die Entwicklung neuer Robotik- und Automatisierungslösungen, sondern ihre Praxistauglichkeit. Das Living Lab ermöglicht es, Technologien gemeinsam mit Obstbaubetrieben und Industriepartnern unter realen Bedingungen zu entwickeln, zu erproben und kontinuierlich weiterzuentwickeln. So schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Innovationen schneller in der landwirtschaftlichen Praxis ankommen und einen messbaren Beitrag zu Produktivität und Ressourceneffizienz leisten“, sagt Dr. Esben Schukat, Geschäftsführer des Center Smart Industrial Agriculture und Oberingenieur am Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen.
Auf der Suche nach weiteren Partnern
Das Projekt wird im Rahmen des Interreg-Programms Maas-Rhein von der Europäischen Union gefördert. Zum Konsortium gehören neben dem Center Smart Industrial Agriculture das Pcfruit Proefcentrum Fruitteelt VZW, das Institut für Mensch-Maschine-Interaktion der RWTH Aachen, Compas Agro, die KU Leuven, Yookr, VoG Agra-Ost, Liège Université Gembloux Agro-Bio Tech, Province de Liège, sowie das niederländische Wirtschaftsministerium, die Region Wallonien und die Provinz Limburg als Kofinanzierer.
Für den weiteren Projektverlauf werden zusätzliche Obstbaubetriebe und Technologieunternehmen gesucht, die sich am Living Lab beteiligen möchten. Die Projektpartner wollen hier insbesondere Betriebe aus dem Birnen-, Heidelbeer- und Weinbau ansprechen sowie Unternehmen, die Lösungen in den Bereichen Präzisionslandwirtschaft, Sensorik, Robotik oder digitale Agrartechnologien entwickeln. Interessierte sind aufgerufen, sich bei Gabriel Heineke (Mobil: +49 151/65693956, Mail: g.heineke@wzl.rwth-aachen.de), Wissenschaftlicher Mitarbeiter am WZL, zu melden.


















