95 Prozent kundenindividuelle Lösungen

Ende März hatte der Schaltschrank-Spezialist Häwa zum Auftakt seiner diesjährigen Roadshow in sein Werk in Bad Wörishofen geladen, um seinen neuen Show-Truck und sein Maschinengestell X-frame zu präsentieren, das an diesem Standort produziert wird. Im Interview mit der Redaktion erläuterte Geschäftsführer Arno Müller die Idee hinter der Tour und gab seine Einschätzung zu den aktuellen Trends der Branche.

Kürzlich begingen Sie in Ihrem Werk in Bad Wörishofen den Kickoff zur diesjährigen Häwa-Roadshow. Wo wird Sie die Tour in diesem Jahr hinführen, und welche Lösungen präsentieren Sie dort?

Arno Müller: Neben Stationen in ganz Deutschland stehen Österreich, die Schweiz, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Dänemark, Schweden, Irland und Großbritannien auf dem Programm. Im Mittelpunkt steht unser Erfolgsmodell X-frame, das auch ganz praktisch gezeigt wird: Beispielsweise als großes Maschinengestell mit integrierten Schaltschränken und Türsystemen, oder auch in Form eines höhenverstellbaren Handarbeitsplatzes. Entsprechend unserer Philosophie, dass das modulare System Lösungen für alle denkbaren Anforderungen bietet. Außerdem zeigen wir interessante Sonderlösungen aus dem Schaltschrank- und Gehäusebereich.

Wie waren Ihre Erfahrungen mit der Tour in den vergangenen Jahren? Hat sie in der Corona-Zeit überhaupt stattgefunden?

Müller: Auslöser der Idee, selbst auf Roadshow zu gehen, waren die Absagen praktisch sämtlicher für uns relevanten Messen in 2020. Und ich muss sagen, es war die richtige Idee zur richtigen Zeit! In den beiden vergangenen Jahren wurde unsere Roadshow – also der individuelle Besuch „auf dem Hof“ eines Kunden oder Interessenten – ein Riesenerfolg. Und das in mehreren europäischen Ländern. Dass wir mit unserer Roadshow unter den Gewinnern des renommierten Ulmer Marketing-Preises 2021 waren, hat diese Bilanz zudem aufgewertet.

Auf Ihrer Webseite bieten Sie in Zusammenhang mit dem Show-Truck auch noch die Möglichkeit, individuelle Termine zu vereinbaren. Geschieht dies zusätzlich zur oder im Rahmen der eigentlichen Tour?

Müller: Genau das ist die Idee hinter der Roadshow – und deren Besonderheit. Wir fahren, vereinfacht ausgedrückt, nicht einfach durchs Land und warten darauf, dass sich jemand für uns und unsere Produkte interessiert. Ein Unternehmen kann sich online informieren und unseren Besuch telefonisch oder via Anfrageformular auf der Website anfragen. Und: Wir haben den Tourplan auf unserer Website veröffentlicht. Bis Ende November sind drei Pufferwochen eingeplant, die der Außendienst nutzen kann, falls zusätzliche Anfragen von Unternehmen kommen. Genau dieses Vorgehen kommt überall sehr gut an: Häwa, der Truck und die mitgereisten Fachleute stehen dann vor Ort bei einem Kunden nur für ihn zur Verfügung und können ihn bestens beraten.

Können Interessenten Wünsche äußern, welche Lösungen Sie mitbringen?

Müller: Interessenten können sich über eine separate Seite im Internet anmelden – dort kann sowohl der Wunschtermin als auch der Wunschort der Präsentation angegeben werden. Der Truck kommt dann, samt Häwa-Experten, direkt und exklusiv zum Kunden. Im Truck befindet sich ein Showroom, der aktuelle und oft nachgefragte Varianten des X-frame sowie Sonderlösungen aus dem Schaltschrank und Gehäusebereich beinhaltet. Es ist im Grunde wie ein kleiner Messestand – und für jeden ist etwas dabei.

Welche Ihrer Lösungen sind bei Ihren Kunden gegenwärtig besonders gefragt?

Müller: Unser X-frame ist in den verschiedensten Ausführungen sehr gefragt. Daneben liegt ein Nachfrageschwerpunkt bei individualisierten Kundenlösungen unseres Schaltschränke- und Gehäuseprogramms. Sehr häufig geht es auch um das Managen des Kundenbedarfs: Durch das Bevorraten von kundenindividuellen Lösungen stellen wir für unsere Kunden die gewünschten Lieferungen just in time sicher.

Welchen Anteil nehmen kundenindividuelle Lösungen im Bereich Ihrer Schranksysteme bei Ihnen ein?

Müller: Dieser Anteil liegt bei rund 95 Prozent. Ein sehr hoher Wert, der zeigt, dass wir der Partner für individuelle, flexible Schrank- und Gehäusesysteme sind. Nehmen wir beispielsweise X-frame. Das Rezept fußt auf einer außerordentlichen Vielseitigkeit. Denn kein Maschinengestell gleicht funktional dem anderen. Daher ist X-frame ein modularer Baukasten, der maximale Flexibilität bietet. Dieses Konzept wird seit 2008 erfolgreich umgesetzt und stets weiterentwickelt. X-frame wird mittlerweile in nahezu allen Technologiebereichen eingesetzt: Reinräume, Laser, Robotik oder Medizintechnik.

Einige Automatisierer sehen bereits seit geraumer Zeit dezentrale, maschinennahe Lösungen auf dem Vormarsch im Vergleich zu Anwendungen, die noch größere Schaltschränke benötigen. Mit Ihren X-frame-Maschinengestellen auf der einen und den Schranksystemen auf der anderen Seite bedienen Sie quasi beide Seiten. Wie beurteilen Sie die Marktlage? Sind die Tage des Schaltschranks gezählt?

Müller: Nein, das kann man nicht sagen. Denn je nach Anwendungsgebiet haben sowohl unsere X-frame-Maschinengestelle als auch die Schranksysteme ihre Berechtigung. Wir stellen allerdings fest, dass die Komplexität in beiden Bereichen ständig zunimmt.

Im Rahmen eines effizienteren Engineering von Schaltschränken nimmt Software eine immer größere Rolle ein. Bieten auch Sie Ihren Kunden die Möglichkeit, z.B. über einen Konfigurator, Schaltschränke zu planen? Sind die Daten Ihrer Produkte auf den einschlägigen Portalen zu finden?

Müller: Die Anfragen sind letztlich zu speziell für ein Konfigurationstool. Da wir sowohl im Bereich Schaltschrank und Gehäuse als auch beim X-frame fast nur Sonderlösungen entwickeln, spielt die technische Kompetenz und das Verständnis unserer Mitarbeiter eine besondere Rolle. Dadurch, dass wir nahezu alle Branchen bedienen, haben wir ein sehr breit aufgestelltes Wissen, was die Besonderheiten der jeweiligen Anforderungen betreffen. Unsere Konstruktion arbeitet mit gängigen Planungstools. Ein Konfigurator könnte diese extrem komplexen Aufgaben gar nicht lösen. Unser Claim „Ideen leben“ kommt genau aus dieser Arbeitsweise heraus.

Welche sind für Sie gegenwärtig die Top-3-Themen im Schaltschrankbau?

Müller: Ein großes Thema ist die Materialverfügbarkeit und damit die Lieferfähigkeit von Produkten und Lösungen. Zweiter beherrschender Punkt ist der Wunsch nach maßgeschneiderten Lösungen, die perfekt auf den individuellen Bedarf des Kunden zugeschnitten sind. Und für Häwa-Kunden steht zweifellos zusätzlich die besondere Art der Zusammenarbeit mit uns im Fokus. Sie schätzen unsere Verlässlichkeit, wenn es um gemeinsame Entwicklungen geht. Hier entstehen immer wieder langfristige Partnerschaften auf Augenhöhe.

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