82. Namur Hauptsitzung im Zeichen von Industrie 4.0

Enhanced Connectivity

Welche Auswirkungen Industrie 4.0 mittlerweile auch auf die Prozessautomation hat, konnte man Anfang November auf der Namur Hauptsitzung in zahlreichen Vorträgen und Workshops erfahren.
 Industrie-4.0-Themen wie 5G, KI oder Ethernet-APL standen im Fokus der 82. Namur Hauptversammlung in Bad Neuenahr.
Industrie-4.0-Themen wie 5G, KI oder Ethernet-APL standen im Fokus der 82. Namur Hauptversammlung in Bad Neuenahr.Bild: TeDo Verlag GmbH

Die Namur Hauptsitzung war mit über 600 Teilnehmern wie immer ausgebucht und stand dieses Jahr unter dem Motto ‚Enhanced Connectivity for Smart Productions‘. Dieses Jahr waren sehr viele Industrie-4.0-Themen in Bad Neuenahr im Fokus der Vorträge und Workshops: von Ethernet im Ex-Bereich (APL), über 5G in der Prozessindustrie, Datenaustausch über den NOA-Kanal (z.B. zum Condition Monitoring von Anlagen), Security bei der Fernwartung bzw. Cloud-Konzepten oder höhere Anlageneffizienzen mit M+O Sensoren (Monitoring + Optimization).

 Phoenix Contact CEO Frank Stührenberg (l.u.) beschrieb in seinem Vortrag die Vorteile einer 'Enhanced Connectivity'.
Phoenix Contact CEO Frank Stührenberg (l.u.) beschrieb in seinem Vortrag die Vorteile einer ‚Enhanced Connectivity‘.Bild: TeDo Verlag GmbH

25% der 5G-Frequenzen für die Industrie

Am ersten Tag folgte nach dem Bericht des Vorstands sogleich der Vortrag des diesjährigen Sponsors Phoenix Contact. Dabei zeigten Frank Stührenberg, Roland Bent und Ulrich Leidecker wie man mit dem PLCnext Ecosystem die Anforderungen an eine Enhanced Connectivity erfüllen kann und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben. Roland Bent, CTO Phoenix Contact zeigte in seinem Vortrag: „Mit unserem technologischen Ansatz eines offenen und skalierbaren Ecosystems wollen wir belegen, wie sich das NOA-Konzept (Namur Open Architecture) von Offenheit, Flexibilität und agilen Lösungen in der Praxis mit den Kernthemen der Prozesstechnik – Robustheit, Sicherheit und Zuverlässigkeit verbinden lässt.“ Danach wurde in drei Vorträgen der Frage nachgegangen ob Cloud Technologien derzeit noch/nur Luftschlösser sind und welchen Mehrwert Konnektivität und zusätzliche Daten für den Anwender bieten. Der Nachmittag stand im Zeichen der zahlreichen Workshops, die in sechs parallelen Sessions abgehalten wurden. Dabei zeigte sich, dass auch die Prozessautomation sich mit den Themen künstliche Intelligenz oder 5G beschäftigt. So hat die Namur im direkten Austausch mit der Politik, Netzagentur und den Verbänden bewirkt, dass bei der Versteigerung der 5G-Frequenzen in Deutschland 25 Prozent der verfügbaren Frequenzen für industrielle Anwendungen reserviert und nicht versteigert werden. Die Diskussion über die Gebührenverordnung ist bereits im Gange. Testlizenzen können bereits bei der Bundesnetzagentur beantragt werden.

Ethernet-APL bei der BASF

Die BASF stellte die ersten Ergebnisse ihres Ethernet-APL-Tests vor. Das derzeitige Fazit lautet: obwohl die Geräte und Sensoren noch nicht offiziell gelauncht sind, konnten bereits jetzt schon die Vorteile der Kommunikation im Feld aufgezeigt werden. Neben dem einfachen Anschluss der Komponenten sind dies der stabile Betrieb der APL-Feldgeräte sowie die einfache Geräteintegration in die Leitsysteme mittels GSDML-Dateien. Auch der Mischbetrieb der verschiedenen (Feld-)Geräte unterschiedlicher Hersteller sowie der Plug&Play-Gerätetausch funktionierten einwandfrei. Es konnte auch gezeigt werden, dass eine parallele Datenausschleusung über den NOA-Kanal vor den Controllern möglich ist. Beklagt wurde die aufwendige Integration der Geräte in Asset Management Systeme, da je nach System unterschiedliche Dateien (EDD, DTM, FDI,…) benötigt werden. Hier ist der klare Wunsch geäußert worden, zukünftig nur noch eine standardisierte FDI-Gerätebeschreibungsdatei einsetzen zu müssen. Auch die Ergebnisse des FDI-Interoperabilitätstest wurden gezeigt. Diese belegen, dass der Austausch von FDI-zertifizierten Feldgeräten mittlerweile ohne größere Probleme möglich ist. Bei dem Test wurden 16 FDI Packages von acht verschiedenen Herstellern geprüft.

Sponsor 2020: Schneider Electric

Der zweite Tag begann mit der Verleihung der Namur Awards 2019 und beschäftigte sich anschließend mit den Fragen zu den Vorteilen der derzeitigen IT/OT-Welle; wohin der Weg der Namur zukünftig gehen wird und wo derzeit noch Probleme mit der Digitalisierung in der Prozessindustrie liegen. Zum Abschluss wurde mit Schneider Electric der Sponsor für das nächste Jahr bekannt gegeben. Die 83. Namur Hauptversammlung findet vom 5. bis 6. November 2020 unter dem Motto ‚Boosting your asset Lifecycle for Power and Productivity‘ statt. (peb)

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Namur Geschäftsstelle

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