Umsetzung des NOA-Konzepts mit einem HART-Gateway

Vom Datenschatz der Sensoren profitieren

Sensoren beinhalten zahlreiche zusätzliche Informationen, die zur Optimierung von Prozessen einsetzbar wären, aber nicht ausgelesen werden. Auf Basis des NOA-Konzepts lassen sich diese Daten via HART-Protokoll an ein HART-Gateway mit integriertem OPC-UA-Server weiterleiten, aus denen sich überlagerte Systeme dann per OPC UA bedienen. Phoenix Contact hat sein Portfolio um ein entsprechendes Gerät erweitert.
Bild: ©Profit_Image/Shutterstock.com

Das NOA-Konzept der Namur zielt darauf ab, alle ungenutzten Informationen, die etwa in den Feldgeräten einer Anlage vorhanden sind, aber derzeit nicht ausgelesen werden, endlich zu verwenden. Beispielsweise stellt ein Durchflussmessgerät neben dem Durchfluss selbst auch Daten über den Druck, die Fließgeschwindigkeit und die Temperatur des Mediums zur Verfügung. Darüber hinaus liegen Informationen zum Sensor vor, z.B. der Name des Herstellers, die Serien- und Versionsnummer, der Messbereich und vieles mehr. Doch wie kann der Anlagenbetreiber auf diese Daten zugreifen? Eine Möglichkeit stellt das HART-Protokoll dar. Bei diesem Kommunikationsstandard ist der Sensor über eine herkömmliche 4 bis 20mA-Verbindung an ein Leitsystem angekoppelt und verfügt außerdem über ein aufmoduliertes HART-Signal, das mit einer Stichleitung abgegriffen werden kann. Diese HART-Verbindung wird in den meisten Fällen lediglich für die Parametrierung des Sensors eingesetzt und bleibt danach ungenutzt. Speziell bei älteren Anlagen, die mit einem konventionellen Leitsystem ausgestattet sind, bietet sich diese Anbindung an, weil nicht in das Leitsystem eingegriffen werden muss.

 Darstellung der durch NOA erweiterten Automatisierungspyramide
Darstellung der durch NOA erweiterten AutomatisierungspyramideBild: Phoenix Contact Deutschland GmbH GmbH

Einfacher Zugriff auf die Informationen

Ein Fokus der Namur liegt auf der Sicherheit des NOA-Konzepts. Daten dürfen der Anlage nur kontrolliert entnommen werden. Ein schädlicher Einfluss auf die Anwendung – wie auch immer sich dieser gestaltet – ist zu unterbinden. Auf dieser Grundlage wurde das Modell der Datendiode entwickelt. Es beinhaltet, dass die Daten lediglich in eine Richtung fließen können. Wird das HART-Protokoll verwendet und werden die Schreibzugriffe verriegelt, kommt dieser Ansatz der Idealvorstellung sehr nahe. Als weitere Sicherheitskomponenten sind sichere Verbindungswege denkbar, die sich durch Security-Router umsetzen lassen. Die Datenquelle und das Ziel werden dabei durch einen gesicherten Tunnel verknüpft. In diesem Zusammenhang ist es prinzipiell unerheblich, ob der Kommunikationsweg durch das Internet oder die komplexe Werksinfrastruktur eines Chemieparks führt. Der Ablageort der Informationen kann erheblich variieren. Eine lokale Datenbank schafft Schutz vor unbefugten Zugriffen. Diese Aussage ist zuerst einmal schlüssig. Doch wie sieht es mit der Verfügbarkeit des Servers aus? Wer kümmert sich um die Wartung der Hardware? Und ist der Server redundant aufgebaut, um einen Verlust der Daten bei einem Hardwaredefekt auszuschließen? Entsprechende Fragen entfallen, wenn sich der Anlagenbetreiber zum Einsatz einer Cloud entschließt, die von einem professionellen Dienstleister wie IBM, Microsoft oder Amazon Web Services betrieben wird. Ein weiterer Punkt kann für eine Cloud-Lösung sprechen: die Zugänglichkeit. Auswertedienste und Analysen lassen sich global verteilen. Ferner wird externen Dienstleistern ein einfacher Zugriff auf die Informationen ermöglicht.

 OPC-Sicherheitsmechanismus eines Security-Routers der Produktfamilie FL mGuard
OPC-Sicherheitsmechanismus eines Security-Routers der Produktfamilie FL mGuardBild: Phoenix Contact Deutschland GmbH

Intelligentere Durchführung von Wartungen

Was kann der Anlagenbetreiber nun mit den zusätzlich vorliegenden Daten machen? Zum einen könnte er sie zur Optimierung seiner Anlage nutzen. Durch die neu hinzugekommenen Messwerte lassen sich zum Beispiel nachteilige Anlagenzustände erkennen. Aufgrund des weiteren Temperaturwerts des Durchflusssensors wird etwa eine zu starke Abkühlung des Mediums auf dem Transportweg detektiert. Darüber hinaus erlauben die neu gewonnenen Daten die Einrichtung zusätzlicher Plausibilitätskontrollen. Als andere Anwendungsmöglichkeit sei der digitale Zwilling genannt. Hinter dem durch das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 geprägten Begriff verbirgt sich die detaillierte digitale Abbildung einer Anlage. Auf diese Weise sind sämtliche Informationen über Aktoren, Sensoren sowie die weiteren Bestandteile der Anlage über ein System zugänglich. Liegen entsprechende Daten vor, können z.B. Wartungen wesentlich intelligenter durchgeführt werden. Lässt sich ein in der Anlage verbauter Sensor per Knopfdruck eindeutig identifizieren und erhält das Servicepersonal Zugriff auf dessen ‚Lebensgeschichte‘, ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten. Ferner kann die im Feld installierte Sensorik einfacher und besser verglichen werden. So ist schnell ersichtlich, welcher Sensor sich mit seinem spezifischen Messbereich am besten eignet, um eine konkrete Messaufgabe durchzuführen. Die gesammelten Daten liefern somit eine zusätzliche Entscheidungshilfe.

 Darstellung eines möglichen NOA-Technologieschemas
Darstellung eines möglichen NOA-Technologieschemas Bild: Phoenix Contact Deutschland GmbH

Sichere Weiterleitung der Daten

Zur Weiterleitung der im Feld erfassten Daten an die überlagerten Systeme bietet sich OPC UA als Schnittstelle an. Wegen seiner Flexibilität, Skalierbarkeit und Zugriffssicherheit erweist sich OPC UA als eines der modernsten industriellen Kommunikationsprotokolle. Der Standard umfasst mehr als eine klassische Schnittstelle wie Modbus RTU, denn er stellt dem Anwender komplexe Dienste zur Verfügung, die ihm die Arbeit erleichtern. Hinzu kommt, dass OPC UA in puncto Security dem neusten Stand der Technik entspricht, da das Protokoll verschiedene Sicherheitsmaßnahmen unterstützt. Der OPC-UA-Server übergibt den Systemen, die die Daten einsammeln möchten und eine Berechtigung dazu haben, die Informationen transparent. Die übergeordneten Systeme können dabei wählen, welche Daten sie nutzen wollen. Bisher ließ sich der Vorgang des Datenabgriffs mit einem alten Kaufmannsladen vergleichen. Dem Verkäufer hinter dem Tresen musste genau gesagt werden, was benötigt wird, wobei nicht klar war, ob dies überhaupt zum Verkauf steht. Bei OPC UA kann der Nutzer hingegen wie bei einem Supermarkt durch die Gänge laufen, sich umschauen und am Ende nur das mitnehmen, woran er tatsächlich Bedarf hat. Im Gegensatz zum klassischen Modbus RTU, bei dem im Vorfeld bekannt sein muss, in welchem Register welche Variable abgelegt worden ist, browst der Anwender bei OPC UA durch den Server und prüft, was angeboten wird. Er erhält die Information, in welchen Formaten die Daten gespeichert wurden, wann genau sie abgelegt worden sind oder ob die Verbindung noch fehlerfrei besteht. All diese Funktionen führen zur stetig steigenden Verwendung von OPC UA in der Automatisierung.

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