Vom Sensor bis in die Cloud –
SPE versus IO-Link
Single Pair Ethernet verspricht eine durchgängige Datenkommunikation vom Sensor bis in die Cloud. Die Vorteile: höhere Datenverfügbarkeit, weniger Gateways, mehr Transparenz. „Das ist besonders relevant für Themen wie Predictive Maintenance, Prozessoptimierung oder KI“, schildert der Leiter Produktmanagement. Gerade in der Sensorik sehe Lapp große Potenziale. „Wenn ich Ethernet direkt im Sensor integrieren kann, bekomme ich Zugang zu mehr Daten, in Echtzeit und IT-Kompatibilität,“ erklärt er weiter. Hier sind wir an einem Punkt, wo SPE die IO-Link-Technologie in vielen Fällen ablösen könnte.
IO-Link ist derzeit das meistgenutzte Kommunikationsprotokoll für smarte Sensorik auf der Feldebene. Es ist kostengünstig, einfach zu integrieren und hat sich in unzähligen Anwendungen bewährt – nicht zuletzt durch seine Zweidrahtstruktur und einfache Parametrierung. Doch IO-Link hat auch systembedingte Einschränkungen: Die Reichweite ist auf 20m limitiert, die Datenrate ist niedrig. Außerdem benötigt es für die Anbindung an übergeordnete Systeme immer ein IO-Link-Master-Gateway.
SPE hingegen bietet Reichweiten bis zu 1.000m und Datenraten bis in den Gigabit-Bereich. „Damit könnten künftig viele IO-Link-Anwendungen durch SPE ersetzt werden – vor allem dort, wo eine direkte Einbindung in Ethernet-basierte Netzwerke ohne zusätzlichen Übersetzer sinnvoll ist,“ so Moebus. Ein weiteres Argument ist Power over Data Line (PoDL): „Daten und Strom über eine Leitung – das reduziert Aufwand, spart Platz und senkt die Kosten.“
„Trotzdem sehen wir keinen kompletten Verdrängungsprozess“, ergänzt Illenseer. „Ein einfacher Initiator, der nur einen Schaltzustand überträgt, wird auch künftig mit IO-Link besser bedient sein – nicht zuletzt aus Kostengründen.“ Vielmehr sei es das Ziel, dass beide Technologien sich ergänzen und je nach Use Case ihre Stärken ausspielen.
Ein Anwendungsbeispiel, das Moebus nennt: „Ein QR-Code-Reader in einem automatisierten Hochregallager sendet heute über Profinet Daten. Mit SPE kann dieser direkt angebunden werden – inklusive Fernwartung aus dem Büro, ohne physischen Zugriff vor Ort.“ Ein weiteres Anwendungsfeld sind dynamische Applikationen wie Roboter. Hier punkten die dünnen SPE-Leitungen mit Flexibilität sowie Platz- und Gewichtsersparnis. Auch PoDL spielt hier eine Rolle.
Breites SPE-Portfolio bei Lapp
Lapp bietet bereits heute ein umfassendes SPE-Portfolio an, das sowohl für die Fertigungs- als auch die Prozessindustrie ausgelegt ist. Dazu zählen SPE-Leitungen für feste und flexible Verlegung, Varianten mit UL-Zulassung, APL-geeignete Kabel für Reichweiten bis zu 1000m sowie robuste Ausführungen für industrielle Umgebungen. Ergänzt wird das Portfolio durch feldkonfektionierbare SPE-Steckverbinder nach IEC 63171-6, vorkonfektionierte Patchkabel in unterschiedlichen Längen sowie PCB-Buchsen und Gerätestecker. Im Bereich der -7-Hybridsteckverbinder ist Lapp ebenfalls frühzeitig aktiv und bringt Erfahrungen aus der bisherigen Produktreihe in die neue Generation ein.
Kundenspezifische Lösungen gefragt
Trotz dieser Breite arbeitet Lapp kontinuierlich an spezifischen Erweiterungen. „Wir können heute rund 90 Prozent aller Anwendungen abdecken, aber die Gespräche mit Kunden zeigen immer wieder neue Bedarfe,“ berichtet Illenseer. Ein Beispiel seien Roboterleitungen, für die noch keine einheitlichen Spezifikationen existieren. „Dort entwickeln wir gemeinsam mit unseren Kunden individuelle Lösungen.“ Lapp unterstützt Kunden nicht nur mit Produkten, sondern auch mit Knowhow. Im firmeneigenen Exploration Center in Stuttgart bietet das Unternehmen Workshops, Schulungen und gemeinsame Design-Entwicklung an. „Wir verstehen uns als Lösungsanbieter“ hebt Moebus hervor. „Das reicht von der Konfektionierung bis zur gemeinsamen Messung und Netzwerkanalyse.“

















