
Begonnen hatte alles bei der Eröffnungsfeier des Rittal Application Centers (RAC) in Houston. Moises Abreu, der dort für die Lösungen der Kupferschienenbearbeitung zuständig ist, führte Greg Andrews durch die Ausstellung, als dieser fasziniert vor den eben gelieferten Stanzbiegemaschinen von Rittal Automation Systems stehen blieb. „Das war genau das, was ich gesucht hatte“, erinnert sich Andrews, „ich wollte die Maschinen sofort kaufen. Ich wusste, sie würden mir eine unglaubliche Geschäftsentwicklung ermöglichen.“ Abreu war im ersten Augenblick weniger begeistert davon, denn er wusste, dass die Maschinen im RAC nicht zum Verkauf gedacht sind: „Doch wir fanden schließlich eine Lösung.“
Kunden testen Applikationen
Die RAC sind nicht nur Showrooms für die Rittal-Schaltschränke und -Fertigungsanlagen. Sie bieten Kunden – quasi einem Trainingscenter gleich – die Möglichkeit, gemeinsam mit Spezialisten von Eplan und Rittal die eigenen Anwendungsfälle zu entwickeln, zu verbessern und umzusetzen. Zudem werden die dort stehenden Anlagen für Klein- und Mittelserien genutzt. Damit können Kunden im besten Fall ihre Prozesse entwickeln und die ersten Teile fertigen lassen, bevor sie die Maschine komplett mit einem verifizierten Prozess kaufen und im eigenen Produktionswerk in die Serienfertigung starten. Abreu arbeitet seit August 2023 als Business Development Manager im Value Chain Team bei der Rittal North America und baut dort das RAC in Houston auf. Zuvor war er bei Ehrt Maschinenbau in Rheinbreitbach, Deutschland, tätig – wo die von Andrews so begehrten Stanzbiegemaschinen entwickelt und gebaut werden. Seit 2022 gehört Ehrt zu Rittal Automation Systems. Sowohl auf den Stanzbiegemaschinen als auch den Zuführungssystemen lassen sich Stromschienen bearbeiten, um sie im Schaltschrankbau für die Übertragung hoher Ströme einzusetzen.
Heiß begehrt: Stromschienen
In den USA zeigt der Markt für Stromschienen seit einigen Jahren enorme Zuwachsraten – aus guten Gründen: Zum einen sind Stromschienen für die Stromversorgung der überall entstehenden Rechenzentren gefragt. Zum anderen hat die US-Regierung 2021 mit dem 1,2 Billionen Dollar umfassenden Infrastructure Investment and Jobs Act im ganzen Land einen Modernisierungsschub ausgelöst. Im Zuge dessen wird die in die Jahre gekommene Elektroinstallation vieler Unternehmen und öffentlicher Einrichtungen modernisiert. So werden anstelle dicker Kabel in Schaltschränken zukünftig Stromschienensysteme zur Verteilung großer Ströme eingesetzt, wie in Europa. Doch bisher herrscht ein Mangel an Fertigungskapazitäten in den USA, der allein bei Aluschienen schon 2019 bei etwa 2.200 Tonnen pro Jahr lag, wie Andrews schildert. S+S Industries beschichtet die von Kunden vorgefertigten Stromschienen, z.B. Kupferschienen, mit Zink. „Wir erkannten, dass die Fertigungskapazitäten für diese Stromschienen in ganz Nordamerika viel zu gering waren“, erinnert sich Andrews. Auf seinen Kundenbesuchen waren ihm schon früher die eleganten und qualitativ hochwertigen Schaltschränke von Rittal aufgefallen. Und als er von dem neuen Rittal Application Center in Houston hörte, besuchte er die Eröffnungsveranstaltung.
Andrews erinnert sich: „Als Moises mir die Lösungen von Rittal Automation Systems zeigte, wusste ich sofort, dass diese Maschinen optimal sein würden, den Stromschienenmarkt in Nordamerika aufzurollen.“ Abreu sagt: „Die Anlagen im RAC waren nicht zu verkaufen. Es dauerte etwas, bis wir die Unternehmensleitung davon überzeugen konnten.“
Rund um die Uhr in Betrieb
Am Ende fand Abreu gemeinsam mit dem Stammwerk in Deutschland und Andrews eine effiziente Lösung: Bis die neuen Maschinen aus Deutschland da sind, sollten im RAC in Houston insgesamt ca. 30 Tonnen Kupfer für S+S verarbeitet werden. Die Zeit wurde genutzt, die Betriebsleiter von S+S zu schulen, die gesamte Produktion zu planen und die notwendigen Änderungen im RAC zu definieren, um den Auftrag effizient bearbeiten zu können. Abreu überwachte die Produktion, Personal wurde eingestellt, und es gelang, im RAC das gesamte Kupfer innerhalb von drei Wochen zu verarbeiten. Darüber hinaus unterstützte Rittal bei der Definition eines optimalen Materialflusses bei S+S sowie bei den Vorbereitungen für die Installation. Der Kunde erhielt schließlich eine schlüsselfertige Lösung. Seither laufen die Maschinen von Rittal Automation Systems für S+S im 24/7-Betrieb. „Unser Ziel ist die Verarbeitung von 2.200 Tonnen Aluminium und 3.200 Tonnen Kupfer im Monat“, verdeutlicht Andrews seine Pläne.

















