Abfrage zur mentalen Gesundheit

Ein Schwerpunkt des Ausbildungsreports lag in diesem Jahr auf der mentalen Gesundheit von Auszubildenden. Die Hälfte (50,6%) der Befragten gibt an, psychische Belastungen zu erleben. Mentale Gesundheit hängt laut DGB dabei eng mit der Qualität der Ausbildung zusammen: „Gute fachliche Anleitung, planbare Arbeitszeiten, ausreichend Zeit für Erholung und Aufgaben, die dem Ausbildungsziel dienen, können Belastungen reduzieren“, sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Nina Krüger. Sind Ausbilder immer verfügbar, fühlen sich nur 8,5% der Auszubildenden hoch belastet. Sind sie selten oder nie erreichbar, sind es 36%.

Abgefragt wurden zudem Belastungen durch verschiedene Arbeitsanforderungen und -bedingungen: Gut 21% der Befragten berichten etwa über Leistungs- und Zeitdruck, 19,6% über Personalmangel im Ausbildungsbetrieb, etwa wenn Anleitung fehlt oder Auszubildende Aufgaben übernehmen müssen, denen sie sich noch nicht gewachsen fühlen – sowie 19,2% über Verantwortungsdruck.

Die Studie erfasste auch Belastungen im Privatleben: Demnach fühlen sich 49,9% durch die finanzielle Situation, und 35% durch eine schwierige Wohnsituation belastet. Auch Nebenjobs, die Pflege von Angehörigen und Kindererziehung wurden als Belastungsfaktoren abgefragt; sie belasten jeweils knapp jeden zehnten Auszubildenden.

Umso wichtiger sei eine verlässliche Unterstützung, wenn Belastungen auftreten, so der DGB. Ein Großteil (41,7%) der psychisch belasteten Auszubildenden gibt jedoch an, niemanden zu haben, um über die Probleme sprechen zu können. „Wir brauchen niedrigschwellige Ansprech- und Beratungsangebote, die in solchen Situationen für die Azubis verfügbar sind. Dazu gehören auch verpflichtende Fortbildungen zu mentaler Gesundheit für das Ausbildungspersonal“, fordert Nina Krüger.

Ein Drittel auf Unterstützung der Eltern angewiesen

Laut Studie spielen finanzielle Belastungen für viele Auszubildende eine große Rolle. 65,3% der Befragten geben an, von ihrer Ausbildungsvergütung ‚weniger gut‘ oder ‚gar nicht‘ selbstständig leben zu können. Fast ein Drittel ist auf zusätzliche finanzielle Hilfe der Eltern angewiesen, etwa jeder Achte geht neben der Ausbildung einem Nebenjob nach.

Nina Krüger sagt: „Ausbildung muss jungen Menschen einen eigenständigen Start ins Berufsleben ermöglichen. Wer eine Ausbildung beginnt, braucht eine Vergütung, die zum Leben reicht. Die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung bietet dafür bislang keinen ausreichenden Schutz. Gerade angesichts steigender Mieten und Lebenshaltungskosten ist die Bundesregierung gefordert, für eine höhere gesetzliche Mindestausbildungsvergütung zu sorgen. Finanzielle Hürden dürfen nicht darüber entscheiden, ob junge Menschen ihren Wunschberuf erlernen können“.

Die Forderungen der DGB-Jugend auf einem Blick:

Fort- und Weiterbildungen zu mentaler Gesundheit für Ausbildungspersonal und Berufsschullehrkräfte

Mindestausbildungsvergütung erhöhen auf mindestens 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung über alle Branchen hinweg

Azubiwohnheime mit sozialpädagogischer Begleitung bundesweit auszubauen

Die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss sicherstellen. Ausbildung braucht verlässliche Perspektiven

Hinweise zur Studie: Für den Ausbildungsreport 2026 wurden über zwölf Monate bis Mai insgesamt 13.227 Auszubildende aus den 25 am stärksten besetzten dualen Ausbildungsberufen befragt.

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