Single Pair Ethernet – der Weg in die Fläche ist geebnet

 Lapp bietet für SPE und APL u.a. feldkonfektionierbare Stecker, Patchkabel in 
verschiedenen Längen sowie Leitungen mit verschiedenen Zulassungen.
Lapp bietet für SPE und APL u.a. feldkonfektionierbare Stecker, Patchkabel in verschiedenen Längen sowie Leitungen mit verschiedenen Zulassungen.Bild: U.I. Lapp GmbH

Single Pair Ethernet galt lange als vielversprechende Technologie für die industrielle Kommunikation. Doch trotz klarer technischer Vorteile blieb der Durchbruch aus. „Wir sind überzeugt, dass die Diskussion um den richtigen Steckverbinder die Marktdurchdringung von SPE lange gebremst hat“ sagt Ralf Moebus, Leiter Produktmanagement Industrial Communication bei Lapp. Zwar gab es frühzeitig eine Norm für Single Pair Ethernet, doch gleich mehrere konkurrierende Steckgesichter erschwerten eine eindeutige Entscheidung für Gerätehersteller. Norm und Markt seien eben nicht immer deckungsgleich. Erst mit der Entscheidung von Profibus & Profinet International (PI), den IEC-63171-7-Steckverbinder für Profinet-Netzwerke zu empfehlen, kam Bewegung in das Thema. Auch die ODVA, zuständig für Ethernet/IP, spricht inzwischen differenzierte Empfehlungen für den Einsatz der IEC-63171-2- und -6-Varianten aus. „Damit wurde ein Kunstgriff gemacht, der niemanden verprellt und trotzdem Klarheit schafft,“ so Moebus.

Prozessautomation

als Vorreiter

In der Prozessautomation hat sich SPE unter dem Begriff APL (Advanced Physical Layer) längst etabliert. Ein Grund dafür: Die Diskussion über Steckverbinder fiel hier weitgehend weg, da viele Geräte über Kabelklemmen angeschlossen werden. Christian Illenseer, Produktmanager Datenleitungen bei Lapp, erklärt: „Gerade bei Brownfield-Anlagen, die nachgerüstet werden, profitieren Anwender davon, dass APL einfache Verkabelungen erlaubt und bestehende Infrastrukturen nutzbar macht.“ APL verwendet den gleichen Physical Layer wie SPE in der Fertigungsautomatisierung, ist aber gezielt auf die Anforderungen der Prozessindustrie ausgerichtet: lange Distanzen, Ex-Zulassungen und Zwei-Draht-Technologie. „Hier hat man schnell konkrete Vorteile erkannt, etwa den Ersatz analoger Signale oder die 1.000m-Reichweite,“ analysiert Illenseer.

Fertigungsindustrie zieht nach

Auch in der Fertigungsindustrie ist nun der Knoten geplatzt. Die kürzliche Empfehlung der PI zum IEC-63171-7-Stecker war ein wichtiger Impuls. „Mit dem -7-Standard haben wir einen Hybridstecker, der sowohl Daten- als auch Energieübertragung ermöglicht und in verschiedenen Bauformen wie M8 oder M12 integriert werden kann“, erläutert Steffen Schneider, Produktmanager für Epic Steckverbinder. Lapp hat bereits Produkte auf Basis des -6-Standards entwickelt und bringt dieses Knowhow nun in die neue Generation ein. Neben der Normung steht jetzt die Systemintegration im Fokus. „Anwender wollen wissen, wie SPE konkret im Maschinenbau eingesetzt werden kann. Welche Reichweiten sind erlaubt? Welche Querschnitte notwendig? Welche Topologien möglich?“ formuliert Moebus deren Fragen. Antworten darauf sollen unter anderem Use-Case-basierte Guidelines liefern, an denen Nutzerorganisationen wie die PI derzeit intensiv arbeiten.

Komponenten sind verfügbar

Technologisch ist SPE reif für den industriellen Einsatz. „Ein Sensorhersteller kann heute loslegen. Es gibt Chips, Stecker, Kabel – alles ist verfügbar“, betont Moebus. Lapp bietet unter anderem feldkonfektionierbare Stecker nach -6-Standard, Patchkabel in verschiedenen Längen sowie eigene SPE-Leitungen mit verschiedenen Zulassungen. Echte Anwendungen gibt es bereits. Ein Beispiel ist ein Start-up, das Offshore-Wellenkraftwerke miteinander vernetzt. „Dort wurden 1.000m lange SPE-Leitungen eingesetzt, um die Kommunikationsstrecken zwischen den Anlagen zu realisieren. Ganz ohne definierte Steckverbindungen, sondern über Klemmen“, erzählt Moebus und ergänzt: Der Nutzen zählt.“

Seiten: 1 2 3