Messtechnik für nachhaltige Gebäudetechnik

Die BGV-Zentrale in Karlsruhe setzt auf Messtechnik von Janitza.
Die BGV-Zentrale in Karlsruhe setzt auf Messtechnik von Janitza.Bild: ©Martin Witzsch

1923 gründeten acht Gemeinden den kommunalen Feuerversicherungsverband Baden, aus dem die BGV Badische Versicherungen hervorging. Heute bietet der BGV Versicherungen für Privat- und Firmenkunden an und ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. „Der Grundgedanke einer Versicherung war ursprünglich nicht, Geld zu verdienen, sondern das Risiko für den Versicherungsnehmer zu tragen. Wir haben diesen Gedanken noch“, erklärt Dierk Wolfinger, BDSH-geprüfter Sachverständiger und gesamtverantwortliche Elektrofachkraft am Firmensitz in Karlsruhe. Beim BGV stehen Vorsorge und Schadensverhütung im Mittelpunkt. „Wir wollen dem Kunden zeigen und vormachen, wie man es richtig macht“, fasst Wolfinger zusammen. Kunden werden eingeladen, Anlagen wie die Elektro- und Lüftungsanlagen sowie Rettungswege zu besichtigen. Ein Highlight ist das jährliche Expertentreffen in Kooperation mit Janitza, bei dem Theorie und Praxis verbunden werden und Beispiele aus der eigenen Liegenschaft dienen.

Unternehmenskultur prägt Architektur

Der Firmensitz in Karlsruhe bietet Büros, Seminarräume, Rechenzentren, ein Restaurant und eine Versammlungsstätte. Die Architektur ist anspruchsvoll und nachhaltig; das Hauptgebäude wurde 2011 nach zweijährigem Umbau als Green Building wiedereröffnet. Energieeffizienz wird großgeschrieben. Wolfinger sucht ständig nach Einsparpotenzialen, ohne den Komfort zu beeinträchtigen, etwa durch die Umrüstung auf LED-Beleuchtung: „Um die Akzeptanz zu erhöhen, haben wir nur die Leuchtmittel gewechselt. Die sind etwas heller, aber die vertraute Leuchte bleibt. Das haben die meisten Mitarbeiter gar nicht gemerkt.“ Auch die Außenbeleuchtung wurde bedarfsgerecht geschaltet. Um die Erkenntnisse der Energieeinsparungen zu nutzen, organisiert Wolfinger interne Audits: „Wir haben seit 2007 ein Energie-Audit und versuchen unseren Stromverbrauch zu senken. 2018 hatten wir 630kW Spitzenlast mit 2,7GWh pro Jahr. Heute haben wir 550kW mit 1,6GWh pro Jahr. Außerdem führen wir im Lauf des Jahres einen CO2-Bericht ein.“ Bemerkenswert: Die PV-Anlage blieb seit 2018 unverändert, die Einsparungen sind also echt.

Messtechnik bringt Transparenz

Die Messgeräte der Energieversorger am Übergabepunkt dürfen maximal 2 Prozent Toleranz aufweisen, doch laut Wolfinger gab es Fälle, in denen der Grenzwert überschritten wurde. „Mit Klimatechnik, Kältetechnik usw. kommen wir auf 1,6GWh. Bei 40ct im Einkauf sind zwei Prozent im Jahr über 10.000 Euro. Deshalb kontrollieren wir, was die Stadtwerke abrechnen.“ Ein weiteres Augenmerk legt Wolfinger auf Lastspitzen: „Da gab es auch schon mal Überraschungen, als uns der Energieversorger mitteilte, dass die eingekaufte Jahresmittelleistung nicht ausreicht. Dabei ist unsere Struktur nachvollziehbar.“ Mithilfe der Messtechnik von Janitza fand er die Ursache: Die Küche. Dort werden täglich 400 bis 800 Essen zubereitet, in der Vorweihnachtszeit laufen drei Konvektomaten für bis zu 1.000 Martinsgänse auf voller Leistung. „Jeder einzelne hat eine Nennleistung von 45kW. Das sind fast 150kW nur für die Gänse – und eine Lastspitze für rund 10.000 Euro.“ Mit der Netzvisualisierungssoftware Gridvis lassen sich solche Spitzen zuverlässig erkennen. Auch bei den Transformatoren half Messtechnik: Ältere Modelle entfalten bei etwa 80 Prozent Auslastung den höchsten Wirkungsgrad. Vor kurzem wurde ein 1.000kVA-Trafo durch einen 1.250kVA-Trafo ersetzt, um neue Ladepunkte zu versorgen. Wegen der Effizienzsteigerung im Gebäude sank der Gesamtverbrauch trotzdem. Bei etwa 55 Prozent Last halbierten sich die Leerlaufverluste: Das Gerät benötigt keine hohe Betriebstemperatur und erzeugt so weniger Verluste. Gleichzeitig sank der Aufwand, um Abwärme abzutransportieren.

Abends Schreibtisch ausschalten!

Auch an den Schreibtischen hat Wolfinger Einsparpotenziale entdeckt: Neben dem Austausch von Hardware gegen sparsamere Modelle setzt er auf einen Schalter. „In Japan oder England hat jeder Industriearbeiter einen Schalter für seine eigene Beleuchtung, in Deutschland ist das undenkbar“, meint Wolfinger. Die Mitarbeiter sollen abends ihren Schreibtisch stromlos machen, um den Standby-Verbrauch von IT-Geräten und unnötige Leuchten-Aktivierung durch Präsenzmelder zu vermeiden. „Wir haben gemeinsam mit Janitza zunächst testweise 33 Schreibtische in der IT-Abteilung erfasst. Dabei werten wir aus Datenschutzgründen immer zwei Schreibtische zusammen aus.“ Das Ergebnis: Hochgerechnet auf alle Arbeitsplätze lassen sich mit dem Schalter rund 5.000 Euro im Jahr sparen. Künftig sollen alle Schreibtische so ausgestattet werden.

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