Strategie und Positionierung von Yaskawa

Fokus auf Europa

Yaskawa hat in den vergangenen Jahren sein Engagement in Deutschland und Europa kräftig ausgebaut. Etwa mit einer Erweiterung des Standorts in Allershausen oder der neu gebauten Roboterfabrik in Slowenien. Im nächsten Schritt soll in Hattersheim die künftige Europa-Zentrale entstehen. Anlässlich der Grundsteinlegung hat sich das SPS-MAGAZIN mit dem Europa-CEO Bruno Schnekenburger und dem Marketing-Verantwortlichen Armin Schlenk darüber unterhalten, was die verstärkte Aufstellung für Kunden und Anwender in Deutschland bedeutet.
Angepasste Produkte für Europa werden 
unserem Selbstverständnis nach nicht nur hier 
gefertigt, sondern idealerweise auch hier entwickelt.
Bruno Schnekenburger, Yaskawa
Angepasste Produkte für Europa werden unserem Selbstverständnis nach nicht nur hier gefertigt, sondern idealerweise auch hier entwickelt. Bruno Schnekenburger, YaskawaBild: TeDo Verlag GmbH

Auf dem europäischen Markt für Automatisierungstechnik sind einige japanische Anbieter präsent. Yaskawa sticht besonders in einem Punkt aus dieser Riege hervor: Denn das Unternehmen legt nicht nur vertriebsseitig einen Schwerpunkt auf die Region, sondern auch bei der technologischen Wertschöpfung. Ein Beispiel ist das eingangs erwähnte Produktionswerk im slowenischen Koevje, aus dem europäische Kunden mit Robotern versorgt werden. Ein weiteres Beispiel findet sich in der Akquisition des Steuerungsherstellers Vipa, durch die Yaskawa seit 2012 auf einen eigenen Entwicklungs- und Fertigungsstandort für Halbleiter- und Elektroniklösungen in Deutschland zugreifen kann.

In Herzogenaurach ist Yaskawa aus technologischer Sicht zweigleisig unterwegs - mit 
Steuerungstechnik und Halbleiterentwicklung.
Armin Schlenk, Yaskawa
In Herzogenaurach ist Yaskawa aus technologischer Sicht zweigleisig unterwegs – mit Steuerungstechnik und Halbleiterentwicklung. Armin Schlenk, YaskawaBild: TeDo Verlag GmbH

Als europäischer Player positioniert

Doch woher rührt dieses außergewöhnliche Engagement in Europa? „Der Grund, warum sich Yaskawa hier so stark positioniert, ist der Glaube an die Zukunft des Industriestandorts Europa“, bringt es der Europa-CEO Bruno Schnekenburger auf den Punkt. „Um hier erfolgreich in der gleichen Liga wie europäische Anbieter spielen zu können, müssen wir über lokale Ressourcen verfügen.“ Dazu gehöre auch, die Produkte für den europäischen Markt vor Ort zu fertigen. Das gelingt Yaskawa bereits mit einer Quote von rund 80 Prozent. „Unsere Muttergesellschaft hat verstanden, dass die Anwender in Europa andere Spezifikationen, andere Funktionalität, ja bisweilen auch einfach andere Produkte fordern, als es in Japan der Fall ist“, fährt Schnekenburger fort. „Solche, dem Markt angepassten Produkte werden unserem Selbstverständnis nach nicht nur vor Ort gefertigt, sondern idealerweise auch hier entwickelt.“

Ein in dieser Hinsicht offensichtlicher Bereich sind die Kommunikationsschnittstellen: In Japan zählt die Yaskawa-eigene Mechatrolink-Technologie zu den fest etablierten Standards. Auch in Asien hat sie sich verbreitet. „In Europa lässt sich damit aber nicht punkten“, räumt Schnekenburger ein. „Stattdessen wollen Maschinen- und Anlagenbauer unsere Antriebslösungen mit einer Vielzahl anderer Steuerungsfabrikate kombinieren.“ Entsprechend integriere man also Schnittstellenstandards, die in Europa anerkannt und verbreitet sind. Die Geräteanpassungen reichen allerdings deutlich darüber hinaus. Eine weitere Differenzierung findet etwa auf Seite der Leistungsversorgung statt: So fertigt Yaskawa im schottischen Umrichter- und Servoantriebswerk alle 400V-Geräte – die hauptsächlich in Europa und Amerika eingesetzt werden. Auch komplett neue Robotervarianten wurden am slowenischen Standort Koevje bereits auf die europäischen Anforderungen hin adaptiert. Aktuell werden dort unsere Highrunner-Modelle sowie kundenspezifische Anpassungen gefertigt, mit denen sich rund 75% des Anwendungsspektrums von Yaskawa-Robotern abdecken lassen. Ziel ist es, mittelfristig auf 11 Modelle und damit auf 80 bis 85 Prozent Abdeckung zu erhöhen.

„Der Fokus auf Europa geht aber über die Produkte weit hinaus“, ergänzt Armin Schlenk, verantwortlich für das Marketing in Europa. „So hat Yaskawa Europe seit 2015 auch ein komplett europäisches Management.“ Das Vertrauen, den Umsatz von 600Mio. Euro auf diesem Erdteil komplett an eine lokale Mannschaft zu übergeben, sei für ein japanisches Unternehmen alles andere als selbstverständlich.

Trotz Corona sind wir auf ein Level 
angewachsen, dass die ursprünglichen 
Planungen und Erwartungen deutlich übersteigt.
Bruno Schnekenburger, Yaskawa
Trotz Corona sind wir auf ein Level angewachsen, dass die ursprünglichen Planungen und Erwartungen deutlich übersteigt. Bruno Schnekenburger, YaskawaBild: TeDo Verlag GmbH

Von Halbleiterbausteinen bis zu Robotersystemen

Weitere wichtige Bausteine für das Portfolio des Unternehmens bilden die Niederlassungen in Allershausen sowie im französischen Nantes. Dort entstehen schlüsselfertige Robotersysteme – standardisierte Zellen genauso wie applikationsspezifische Anlagen. Auch die schwedische Niederlassung wurde mit Blick auf solche Lösungen kürzlich erweitert.

„In Herzogenaurach ist Yaskawa aus technologischer Sicht zweigleisig unterwegs“, wechselt Schlenk zum nächsten Technologiesegment. Zum einen bildet der Standort einen Global Hub für die Halbleiterentwicklung: Die dort entwickelten hochleistungsfähigen Dreikernprozessoren sollen, so hat sich der Konzern entschieden, künftig in allen Motion-Controllern von Yaskawa zum Einsatz kommen. „Zum anderen decken wir von dort aus den europäischen Bedarf an SPS-Technik ab und vertreiben I/O-Systeme über die ganze Welt. Auch die neue Steuerungsgeneration i³ Control wurde zu einem großen Teil in Herzogenaurach entwickelt. Die Basis dafür – die PLC-Next-Plattform von Phoenix Contact – wurde von Yaskawa spezifisch überarbeitet und um verschiedene Antriebs- und Motion-Funktionen erweitert. Neben durchgängigen Engineering-Werkzeugen und einem bunten Strauß an Programmiersprachen wurde der Fokus dabei auch auf die unkomplizierte Integration gelegt. „Ziel ist es, dass Anwender selbst ohne großes Vorwissen einen Antrieb in wenigen Minuten passend an die Steuerung anbinden und synchronisieren können“, unterstreicht Schlenk. Schnekenburger fährt fort: „Diese Neuheit hätten wir unseren Kunden gerne auf der SPS-Messe im vergangenen Jahr vorgestellt.“ Jetzt gehe es mit schnellen Schritten weiter: Yaskawa hat für die i³ Control eine umfassende Entwicklungs-Roadmap definiert und will in weiteren Ausbaustufen z.B. auch die Disziplinen Motion Control und Safety mit einbinden.

Bild: TeDo Verlag GmbH

Nächste Projekte und Ausblick

Bis Ende Q1 2023 soll die neue Europa-Zentrale fertig sein. „Natürlich haben wir noch weitere Pläne in der Schublade, um unser Engagement in Europa auszubauen“, blickt Schnekenburger voraus. „So werden wir die Fertigungskapazität für Umrichter und Servos in Europa erweitern, weil sich die Nachfrage dermaßen positiv entwickelt.“ Auch im Roboterwerk in Slowenien habe sich das Fertigungsvolumen seit der Eröffnung sehr gut entwickelt. Vorausschauend wurde die Fabrik von Beginn an auf eine mögliche Verdopplung der Produktionsfläche ausgelegt. Ein weiteres wichtiges Ziel für Yaskawa ist es, die Lieferketten innerhalb von Europa noch stabiler zu machen. „Denn trotz einer Delle durch Corona, sind wir auf ein Level angewachsen, dass die ursprünglichen Planungen und Erwartungen deutlich übersteigt“, betont Schnekenburger abschließend.

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