OT und IT verheiraten

IT-Security als Ehevertrag

Die Verschmelzung von Operational Technology (OT) und IT bietet Vorteile. Um sie zu nutzen, müssen sich Fabrikbetreiber aber zunächst mit einem tragfähigen IT-Sicherheitskonzept befassen. Die Eckpfeiler sind Transparenz, Kontrolle und Reaktionsfähigkeit.
Bild: ©kupicoo/GettyImages.com

Um Montagehallen, Produktionsstätten oder Energienetze zu betreiben, kommen industrielle Steuerungssysteme (ICS) sowie Supervisory Control And Data Acquisition (Scada) zum Einsatz. Diese Operational Technology (OT) steuert die physischen Prozesse der Maschinen. Die Netzwerke, in denen diese OT-Systeme betrieben werden, sind traditionell von der IT-Umgebung des Unternehmens sowie vom Internet durch einen Air-Gap – wörtlich ein Luftspalt – getrennt. Und das aus gutem Grund, kann doch der Ausfall der OT-Systeme zu hohen Kosten führen und sogar zur Gefahr für die Mitarbeiter werden. Der Air-Gap trennt IT- und OT-Systeme physisch und logisch voneinander und soll dennoch die Übertragung von Nutzdaten zulassen.

Vorteile und Nachteile

Bisher hielten sich die Bedrohungen für die OT durch die Trennung von der IT in Grenzen. Der Luftspalt sorgte für eine Distanz zu den Cyber-Bedrohungen. Der Wartungszugang zu industriellen Maschinen, die Aktualisierung von ICS-Tools aus der Ferne oder Remote-Firmware-Updates boten allerdings schon immer potenzielle Hintertüren in die OT-Umgebung. Der Hauptgrund für eine zunehmende Bedrohung ist jedoch, dass im Zuge der Digitalisierung IT- und OT-Netzwerke immer mehr zusammenwachsen. Der Zusammenschluss schafft einerseits viele Vorteile: Die Kombination von Daten und Produktion ermöglicht es Unternehmen beispielsweise, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren und Systeme aus der Ferne zu verwalten und zu steuern. Doch die Vorteile sind auch mit Risiken verbunden. So kursiert aktuell beispielsweise speziell auf OT-Anlagen zugeschnittene Malware, die IT-Umgebung und ihre Netzwerkverbindungen ausnutzen kann, um Zugang zu industriellen Steuerungssystemen zu erhalten.

Raffiniertere Methoden

Unabhängig von der Konvergenz von IT und OT gibt es bewährte Verfahren, mit denen sich Unternehmen vor unerwünschtem Zugriff schützen können. – Bild: ©ipopba/gettyImages.com

Zudem werden Angreifer immer raffinierter und die Angriffsmethoden ausgereifter. Mit hochkomplexen und vielseitigen Techniken sind Angreifer in der Lage, eine Vielzahl an Mechanismen zu nutzen, um IT- und zunehmend auch die OT-Umgebung zu infiltrieren. Die große Anzahl an Security-Tools kann ebenfalls dazu führen, dass Bedrohungsabwehr in gewisser Weise sogar eher erschwert wird. In zu vielen Fällen hat das IT-Sicherheitspersonal nicht die Zeit, sich mit diesen einzelnen Tools zu befassen, wodurch Cyber-Bedrohungen buchstäblich im Rauschen der vielen Alerts untergehen können. Dazu verschärft der Fachkräftemangel in der IT-Security die Situation. Zusätzlich haben die Vorschriften für Cybersecurity und den Schutz persönlicher Daten die Komplexität der Sicherheit für IT- und OT-Manager in letzter Zeit laufend erhöht. So gelten allgemeine Standards wie PCI-DSS (Payment Card Industry Data Security Specification), DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) und das NIST (National Institute of Standards and Technology)-Framework – allesamt Richtlinien, die Unternehmen verstehen und umsetzen müssen.

Seiten: 1 2Auf einer Seite lesen

Das könnte Sie auch Interessieren

Anzeige

Anzeige

Bild: Igus GmbH
Bild: Igus GmbH
Zugelassene Kombination

Zugelassene Kombination

Harting hat mit dem ix Industrial einen sehr kompakten Industrie-Steckverbinder entwickelt, Igus bietet mit dem umfassenden Chainflex-Sortiment leistungsfähige Busleitungen für bewegliche Anwendungen mit kleinen Biegeradien. Für Steckverbinder und Leitung haben beide Unternehmen die Zertifizierung der Profinet-Nutzerorganisation erreicht. Andreas Muckes, Produktmanager Chainflex bei Igus, und Maximilian Rohrer, Produktmanager Interface Connectors bei Harting, berichten über die Eigenschaften der zugelassenen Komplettleitungen.

Bild: Wittenstein SE
Bild: Wittenstein SE
Enabling für 
digitalisierte Maschinen

Enabling für digitalisierte Maschinen

Immer smarter statt immer schneller – die Digitalisierung im Maschinenbau führt bei Herstellern und Anwendern zu einem Paradigmenwechsel. Der Verpackungsmaschinenbauer Koch Pac-Systeme trägt mit seinen digitalen Serviceprodukten dieser Entwicklung Rechnung. Im Predictive Pack zur Überwachung von Verschleißteilen setzt das Unternehmen auf smarte Getriebe und den Service von Wittenstein.

Anzeige

Anzeige

Anzeige