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RJ45, Steckgesichter und die Prozessindustrie
Hypothesen von SPE

Jun 29, 2020 | Industrial Ethernet & TSN

Single Pair Ethernet (SPE) wurde entwickelt, um eine der letzten großen Lücken in einer TCP/IP-orientierten Netzwerkwelt schließen – die Lücke zwischen der klassischen IT und der Sensorik. Somit ist SPE keine ­Ablöse für bestehende vierpaarige Ethernet-Netze. Es geht darum, Sensor-/Aktornetzwerke barrierefrei an unsere IT-Netze anzudocken. Deshalb gilt SPE auch als Enabler für das IIoT. Was das bedeutet, soll der ­folgende Artikel beleuchten. Gleichzeitig räumt er mit einigen Hypothesen auf.
Bild: Harting Electric GmbH & Co. KG

Mit der Festlegung der ISO/IEC auf ein SPE-Steckgesicht für die Industrie und eines für die Gebäudeinstallation gehen die Arbeiten an den weiterführenden Verkabelungsnormen nun sukzessive weiter. Dabei werden die Beschlüsse in die entsprechenden Papiere von ISO/IEC, TIA und IEEE eingearbeitet. Das Steckgesicht nach IEC63171-6 wird in die relevanten Verkabelungsnormen übernommen und dort verbindlich vorgeschrieben. Das betrifft im Einzelnen:

-ISO/IEC 11801-3 AMD-1: Information technology – Generic cabling for customer premises (Strukturierte Verkabelung) Teil 3: Industrie, AMD-1: SPE

-ANSI/TIA-1005-B Telecommunications Infrastructure Standard for Industrial Premises – SPE cabling

-IEC 61918 Ed 4.0 AMD-1: Industrial communication networks – Installation of communication networks in industrial premises, AMD-1 SPE

SPE und die ­Prozessautomatisierung

Aktuell gibt es auch eine Diskussion um die Bedeutung von SPE in der Prozessautomatisierung.

Ist dort alles komplett ­anders?

Dieser Markt hat in der Tat eine gewisse Sonderstellung innerhalb des breiten Spektrums an Industrieautomatisierungslösungen und mit Anwendungsbereichen wie Öl- und Gasindustrie, Chemie und Pharma oder Wasser/Abwasser ein spezielles Anforderungsprofil. Dieses Anforderungsprofil wird u.a. von großen Entfernungen geprägt, was wiederum Auswirkungen auf die Querschnitte der Kupferkabel hat. Weiterhin spielt das Thema Ex-Schutz nach IEC60079-0 und IEC60079-7 eine wichtige Rolle. Somit muss die Anschlusstechnik in einigen Einsatzfällen den Vorschriften zur Eigensicherheit genügen, was wiederum ein spezielles Design nach sich zieht. Auch Lösungen zur Fernspeisung sind davon betroffen. Vernetzungskonzepte mit SPE in der Prozessautomatisierung sehen z.B. den Betrieb von SPE-Switchen in ex-geschützen Bereichen vor. Das bedeutet wiederum höhere Leistungsanforderungen, die von PoDL nicht oder nur teilweise erfüllt werden können. Somit werden Anbieter auch auf eigene Fernspeisungskonzepte zurückgreifen.

Nun ist allerdings die Frage, welche Marktrelevanz die Prozessautomatisierung für die Entwicklung von IIoT und SPE hat. Nüchtern gesehen, eine recht geringe. Die Prozessautomatisierung stellt im Konzert der Lösungen für die Industrieautomatisierung einen einstelligen Prozentanteil dar. Der Sonderfall ex-Schutz darunter wiederum nur einen Bruchteil.

Die Prozessautomatisierung ist also nur ein Anwendungsfall für SPE in der Industrie. Aufgrund der speziellen Anforderungen sind teilweise auch Anpassungen erforderlich. Somit ist die Prozessautomatisierung nicht der Schrittmacher für SPE.

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Autor: Rainer Schmidt, Harting Stiftung & Co. KG (Holding)
Firma: Harting Electric GmbH & Co. KG
www.harting.com

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