Das Möbel von morgen hat eine DNA. Noch vor der Montage trägt jedes Bauteil eine eigene Identität, gespeichert auf einem RFID-Tag. Durchlaufen Fronten, Korpi und Schubladeneinsätze die Fertigung, sprechen sie mit der Maschine: „Ich brauche Bohrung A“ oder „Für mich ist Lackierung B vorgesehen“. So entsteht schrittweise ein maßgeschneidertes Möbel – lückenlos rückverfolgbar. Denn RFID macht aus stummen Holzplatten intelligente Werkstücke. Und die Abläufe der Möbelindustrie damit sicherer, auch über die Nutzung des Möbels hinaus.
Digital statt Kleberest
Möbelhersteller arbeiten heute in einem Spannungsfeld: Einerseits treibt Individualisierung die Teilevielfalt hoch. Andererseits müssen Prozesse zuverlässig, schnell und günstig ablaufen. Hier stoßen klassische Kennzeichnungen wie Etiketten an ihre Grenzen. Kleberückstände erschweren die Weiterverarbeitung, vor allem bei furnierten oder lackierten Oberflächen. Außerdem bleiben die Etiketten meist nicht für die gesamte Lebensdauer auf dem Möbelstück oder den Einzelteilen. „Unsichtbare, dauerhafte Identifizierung ist gefragt“, sagt Dennis Reddig, Head of Product Management bei IMA Schelling. Aufkleber seien hier oft unerwünscht – wegen der Probleme beim Schleifen oder Lackieren. „Mit RFID können wir Daten unsichtbar am Bauteil speichern und über die Fertigung hinweg nutzen.“
Unsichtbarer drahtloser Austausch
IMA Schelling hat das Patent für den Einsatz dieser Technologie in der Möbelproduktion. RFID bzw. Radio-Frequency Identification beruht auf Transpondern, die sich drahtlos mit einem Lesegerät austauschen. Anders als bei Barcodes ist dafür kein Sichtkontakt nötig. Stattdessen lassen sich Tags auch durch Materialien hindurch auslesen – ein Vorteil in der komplexen Möbelproduktion. Möglich ist zudem die sogenannte Massen- bzw. Pulklesung: Sekundenschnell prüft ein Lesetor, ob alle Bauteile einer Kommission vorliegen. Das spart Zeit, verhindert falsche Kommissionierungen und die Mitarbeiter müssen nicht jedes Teil einzeln prüfen.
Lesbar über den Lebenszyklus
Im niedersächsischen Melle fertigt Meyer Holzverarbeitung als Zulieferer der Küchenmöbelindustrie Küchenfronten, Regale und Zubehör – kommissionsweise und vielfältig im Material. Doch diese Vielfalt fordert das Team regelmäßig heraus: In der Produktion sollte jedes Bauteil eindeutig identifizierbar sein, ohne sichtbare Etiketten. Denn Furnieroberflächen und -kanten dürfen nicht beklebt werden, wenn Schleifen und Lackieren anstehen. Klebstoffrückstände gefährdeten sonst die Qualität. Aufgabe daher: eine unsichtbare Kennzeichnung, zuverlässig lesbar über den gesamten Lebenszyklus des Bauteils. Meyer hatte aber noch weitere Ansprüche. Dazu zählten Teileverfolgung ohne Einschränkungen in der Handhabung, eindeutige Zuordnung ohne Etiketten, Pulklesung mittels RFID-Lesetor und wenig Suchaufwand in der Fertigung.












