Tag-Einbau im Durchlauf

Gemeinsam mit IMA Schelling entwickelte man ein Konzept. Kern: eine Novimat-Kantenbearbeitungsmaschine. Sie bekantet nicht nur die Werkstücke, sondern baut zugleich RFID-Transponder in die Schmalfläche ein. Dafür ist zunächst eine kleine Einfräsung nötig. Anschließend wird der Tag angebracht, beschrieben und getestet – alles im Durchlauf. Seit März 2024 gehört die Anlage bei Meyer zum Alltag. Die ersten Ergebnisse zeigen Zeitersparnis durch weniger Suche, eine zuverlässige Teileverfolgung und die sichere Identifizierung der Werkstücke. Und der nächste Schritt steht schon an: automatisch erstellte Lieferscheine und Verladekontrolle.

Konsequente Umsetzung erforderlich

Dennoch gibt es auch Hürden. Mit derzeit acht Cent das Stück sind RFID-Tags teurer als Etiketten. Zudem erfordern sie passende Hardware: Einfräsungen in der Schmalfläche, Applikatoren, Antennen und Schreibgeräte. Das Signal kann abbrechen, wenn bestimmte Holzarten oder Lackschichten den Funkkontakt behindern. Auch der Einbau in ERP- und MES-Systeme ist nicht ohne: Mitarbeiter können Barcodes mit bloßem Auge erkennen, Tags jedoch nicht. „Die Technologie funktioniert nur, wenn man sie richtig umsetzt“, sagt Reddig. Sei an einem Punkt der Prozesskette keine Lesemöglichkeit vorhanden, komme es zu Brüchen.

Wegbereiter des digitalen Produktpasses

Dennoch: RFID ist mehr als bloß Kennzeichnung. Gemeinsam mit IoT, Sensorik und KI kann künftig jedes Möbelteil Daten liefern über seinen Zustand, seine Herkunft und seinen Vertrieb. So gesehen wird RFID zum Baustein der Smart Factory und zum Vorreiter digitaler Produktpässe. Das wiederum erlaubt Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Wertschöpfung. Dass das Möbelstück von morgen ein Informationsträger ist, kostet. Doch es birgt auch Potenzial für die Zukunft – und für eine sichere und transparente Prozesskette von Heute.

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