Um sicherzustellen, dass alle genutzten Feldgeräte die Profinet-S2-Systemredundanz in geeigneter Form unterstützen, überprüft die Programmiersoftware PLCnext Engineer die notwendigen Attribute in der Gerätebeschreibungsdatei schon in der Projektierungsphase. Neben dieser logischen Kommunikationsbeziehung SRL sorgt das zweite Kernelement, das Medienredundanz-Protokoll (MRP), für die Redundanz auf der physikalischen Netzwerkebene. Bei MRP wird das Netzwerk als einfache Ringstruktur ausgeprägt. Sind sämtliche Netzwerkverbindungen intakt, ist einer der beiden Ethernet-Ports am MRP-Manager geblockt und die betroffene Netzwerkverbindung folglich nicht aktiv. Der MRP-Manager erkennt den Ausfall einer beliebigen Netzwerkleitung innerhalb der Ringstruktur. In diesem Fall gibt er den blockierten Port frei und stellt damit sicher, dass alle Netzwerkteilnehmer weiterhin die an sie gerichteten Datentelegramme erhalten. Beide Profinet-Redundanzmechanismen – SRL und MRP – sind Teil der Profinet-Spezifikation und werden bei der Gerätezertifizierung getestet.

 Anbindung eines HMIs an redundante Steuerungen
Anbindung eines HMIs an redundante SteuerungenBild: Phoenix Contact Deutschland GmbH

Betrieb in getrennten Profinet- und OPC-UA-Netzwerken

Das dritte Kernelement der ASR bezieht sich auf den Datenaustausch zwischen den redundanten Steuerungen und Visualisierungsgeräten. Als Übertragungsprotokoll wird OPC UA verwendet, das sich im industriellen Umfeld zur vertikalen Kommunikation zwischen Steuerung und Visualisierung etabliert hat. OPC UA ist unabhängig von Betriebssystemen und lässt sich auf unterschiedlich performante Geräte adaptieren – von kompakten Touch Panels bis zu großen Scada-Netzwerken. Die Visualisierungsgeräte werden über einen Softwareschalter im OPC UA Client der Visualisierungssoftware an die beiden redundanten Steuerungen angekoppelt.

Der OPC-UA-Server ist direkt in das Betriebssystem der PLCnext-Steuerungen eingebettet. Beim OPC-UA-Client handelt es sich hingegen um einen Bestandteil der Visualisierungssoftware. Zur Projektierung einer Verbindung zwischen Client und Server wird auf dem Client ein entsprechender Endpoint definiert. Abgesehen von den Sicherheitseinstellungen legt der Anwender dabei im Wesentlichen die IP-Adresse des Servers fest. Im Fall der Anbindung an redundante Steuerungen lässt sich dann zusätzlich die IP-Adresse eines Backup-Endpoints vergeben. Zur Laufzeit des Systems sorgt eine Logik in der Visualisierung dafür, dass der OPC-UA-Client stets automatisch mit der SPS verbunden ist, welche die Primary-Rolle innehat. Da beide Protokolle – OPC UA und Profinet – Standard-Ethernet-Mechanismen nutzen, können die Protokolle problemlos in einem Netzwerk kombiniert werden. In Abhängigkeit von der Anlagengröße und vom Zweck der Netzwerksegmentierung lassen sich die beiden Kommunikationsstandards ebenso in getrennten Netzwerken betreiben.

Die PLCnext-Steuerung AXC F 3152 verfügt über drei voneinander unabhängige Netzwerkschnittstellen. Somit ist eine der Schnittstellen für das I/O-Netzwerk (Profinet) und die andere für das Scada-Netzwerk (OPC UA) einsetzbar. Infolgedessen können für diese beiden Kommunikationsbereiche verschiedene Netzwerktopologien verwendet werden. Während das I/O-Netzwerk mittels Media Redundancy Protocol (MRP) als einfache Ringstruktur ausgeführt wird, kann sich für das Scada-Netzwerk eine auf dem Rapid Spanning Tree Protocol (RSTP) basierende vermaschte Netzwerkstruktur als zweckmäßig erweisen.

 Topologie der ASR auf Basis der PLCnext-Steuerung AXC F 3152 mit Separierung des I/O- und Scada-Netzwerkes
Topologie der ASR auf Basis der PLCnext-Steuerung AXC F 3152 mit Separierung des I/O- und Scada-NetzwerkesBild: Phoenix Contact Deutschland GmbH

Kommunikationsmodule für maritime Protokolle

Letztlich bietet die applikative Systemredundanz viele Möglichkeiten, die Redundanzfunktion an die Bedürfnisse des jeweiligen Anlagentyps anzupassen. In der maritimen Automatisierungswelt gibt es ebenfalls spezielle Protokolle. Dazu gehören NMEA0183 für Navigationssensoren oder J1939, ein Übertragungsprotokoll auf der Grundlage von CAN, das bei maritimen Verbrennungsmotoren Anwendung findet. Um Daten aus diesen Subnetzwerken in das redundante Automatisierungssystem zu integrieren, sind besondere Kommunikationsmodule erhältlich, die direkt an eine I/O-Station angereiht werden können. Ist z.B. ein solcher Verbrennungsmotor mit einem dualen CAN-Netzwerk ausgestattet, lassen sich zwei Kommunikationsmodule nutzen, die sich vorzugsweise in unterschiedlichen I/O-Stationen befinden. Neben der Redundanz in der Steuerungs- und Netzwerkebene wäre auf diese Weise eine höhere Verfügbarkeit hinsichtlich dieser Kommunikationsschnittstelle gegeben.

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