Hinzu kommen hohe Anforderungen an die Sicherheit. Bewegliche, dynamische Systeme mit vielen Freiheitsgraden sind sicherheitstechnisch deutlich komplexer als mobile Plattformen auf Rädern. Vollhumanoide Roboter sind technologisch äußerst spannend, aber im industriellen Umfeld derzeit noch wesentlich anspruchsvoller hinsichtlich Robustheit, Engineering-Aufwand und Wirtschaftlichkeit.

Welche Rolle spielen Software, KI und Automatisierungsplattformen dabei, mobile Robotersysteme flexibler und autonomer zu machen?

Software ist der Enabler moderner Robotik. Durch das Zusammenspiel von Navigation, Lokalisierung, Bewegungssteuerung, Safety und IT-Integration entsteht ein autonomes Gesamtsystem. Mit ctrlX Automation stellen wir dafür eine offene, Linux-basierte Automatisierungsplattform bereit. Herzstück ist die Steuerungsplattform ctrlX Core. Zusammen mit ctrlX Drive und spezifischen Software-Apps liefern wir eine flexible Basis für mobile Robotik und humanoid inspirierte Systeme.

Ein großer Vorteil offener Plattformen besteht darin, dass Hersteller eigene Softwaremodule, KI-Modelle oder spezifische Anwendungen integrieren können. Dadurch lassen sich Systeme flexibel an unterschiedliche Anforderungen anpassen und gleichzeitig moderne KI-Architekturen oder Datenservices anbinden.

Bosch Rexroth zeigte auf der Logimat erstmals einen mobilen humanoiden Roboter. Welche Ausprägung hat er?

Unser Ansatz ist bewusst praxisorientiert. Statt ausschließlich auf vollständig humanoide Systeme mit Beinen zu setzen, kombinieren wir mobile Robotik mit flexiblen Roboterarmen und offener Automatisierungstechnik. Die auf der Logimat gezeigte Lösung basiert auf einer mobilen AMR-Plattform und zeigt, wie sich humanoide Fähigkeiten bereits heute mit industriell erprobten Technologien realisieren lassen. Als Roboterkinematiken kommen dabei u.a. flexible Leichtbauroboter von Kassow Robots zum Einsatz.

Wir wollen humanoid inspirierte Robotik schneller in industrielle Anwendungen bringen. Dazu liefern wir unseren modularen Automatisierungsbaukasten – bestehend aus Steuerung, Antriebstechnik, Sicherheitstechnik, integrierbaren Robotikkomponenten und Software für zuverlässige Navigation und Positionsbestimmung. Außerdem wollen wir den Engineering-Aufwand für Hersteller, Integratoren und Anwender weiter reduzieren. Im Fokus stehen vereinfachte Integration, leistungsfähigere KI-Funktionen und die engere Verzahnung von mobiler Plattform, Robotik und Automatisierung.

Welches langfristige Potenzial sehen Sie für humanoide Robotik?

Das Potenzial ist groß – insbesondere dort, wo klassische Automatisierung heute noch an Grenzen stößt. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels wächst der Bedarf an flexiblen Automatisierungslösungen. Wir erwarten aber eher eine schrittweise Entwicklung als einen kurzfristigen flächendeckenden Durchbruch.

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