Technologie trifft Robustheit und Nachhaltigkeit
Davegi übernimmt mit seinen Armen und Händen präzise Aufgaben direkt an der Pflanze. Er entfernt Unkraut und Schädlinge, erntet empfindliche Kulturen wie Salat oder Kohlrabi und passt sich mithilfe modularer Schnittstellen an unterschiedliche Anforderungen an. Die humanoiden Roboterhände verfügen über 22 Freiheitsgrade und mehr als 1.000 Sensorpunkte pro Fingerspitze, was eine präzise Berührungserkennung ermöglicht. Ihre Wiederholgenauigkeit von ±1mm und die geplante IP67-Zertifizierung machen sie fit für den Einsatz unter realen Feldbedingungen. Damit der Roboter lernt, wie er einen Salat greift, wann eine Zucchini reif für die Ernte ist oder wie er einen Schädling bekämpft, setzt Franko auf Teleoperation. Dabei bedienen Menschen die Roboterarme und Hände in realen Feldern und erzeugen dabei wertvolle Trainingsdaten. Diese Daten werden genutzt, um die Embodied AI des Systems weiterzuentwickeln. Eine KI, die direkt mit echten Pflanzen interagiert. Schritt für Schritt soll Davegi in den nächsten Jahren dazu fähig sein, eigenständig zu erkennen, zu greifen, zu ernten und dabei immer präziser und effizienter zu arbeiten. Angesteuert werden die Cobot-Arme und die Hände über ROS2, das die Kameradaten und die Teleoperation miteinander verbindet. „Wir glauben an Robotik in der Landwirtschaft, auch wenn es seitens der Roboter noch viel zu tun gibt“, so Mühlens. „Unser ReBeL wird bereits in unterschiedlichen landwirtschaftlichen Projekten eingesetzt, sei es für das Picken von Tomaten bis hin zum Pflücken vom Salat. Von diesen Erfahrungen profitiert auch AI.Land. Wir freuen uns, hier das Projekt gemeinsam weiterentwickeln zu können.“ Franko ergänzt: „Der Einsatz von Robotik in der Landwirtschaft ist kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit. Angesichts globaler Herausforderungen wie steigenden Arbeitskosten, Arbeitskräftemangel und dem Druck zur nachhaltigen Ressourcennutzung bieten autonome Systeme die einzige skalierbare Lösung. Sie ermöglichen es Betrieben, präziser zu arbeiten – etwa durch gezielte Unkrautbekämpfung oder exakte Bewässerung – was nicht nur die Effizienz maximiert und Kosten senkt, sondern auch die Umweltbelastung reduziert. Robotik sichert somit die Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit unserer landwirtschaftlichen Produktion.“

Gemeinsam arbeiten Dr. Josef Franko, Geschäftsführer AI.Land, und Alexander Mühlens, Geschäftsbereichsleiter Low Cost Automation bei Igus, an kostengünstigen Automatisierungslösungen, die den Einsatz von Robotik in der Landwirtschaft wirtschaftlich effizient machen. – Bild: ©Jannick Kruhl / Igus GmbH 
„Wir wollen nicht nur Prozesse automatisieren, sondern Strukturen verändern. Die Technologie ist der Schlüssel zu einer gerechteren Landwirtschaft.“ – Bild: ©Jannick Kruhl / Igus GmbH 
Bild: Igus SE & Co. KG
Die Vision dahinter: Fairness und Regionalität
Franko denkt weiter als bis zur Technik. Er sieht die Landwirtschaft als Basis einer gesunden Gesellschaft. Sein Ziel ist ein direkter Kreislauf vom Feld zum Verbraucher ohne Zwischenhändler. Damit soll die Machtkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel aufgebrochen werden, wo Großhändler einen hohen Prozentsatz der Gewinne einstreichen, während Landwirte an der Existenzgrenze arbeiten. Regionale Gemeinschaften sollen mehr eingebunden werden, indem Konsumenten direkt bei Landwirten kaufen können, unterstützt durch KI-Transparenz und Automatisierung. „Wir wollen nicht nur Prozesse automatisieren, sondern Strukturen verändern“, betont Franko. „Technologie ist der Schlüssel zu einer gerechteren Landwirtschaft.“ Dass er mit seiner Vision richtig liegt, zeigt auch das Feedback mehrerer Landwirte und die Auszeichnung auf der Agritechnica mit dem Agrifuture Concept Award 2025 vom DLG. AI.Land ist nun bereit für die nächsten Schritte. Derzeit sucht das Unternehmen nach Investoren und Produktionspartnern, um den Übergang vom Prototyp zur Marktreife zu schaffen. Trotz aller Herausforderungen ist er überzeugt: „Diese Technologie wird nicht nur die Landwirtschaft revolutionieren, sondern auch zu nachhaltigerem Handeln beitragen. Wichtig ist jedoch, dass auch die Verbraucher umdenken und eben der Konsum auf das saisonale Angebot angepasst wird.“


















