Dem Schaltschrankbau auf den Puls gefühlt

Bild 1 | Digitalisierung ist das große Zukunftsthema für den Schaltschrankbau in Deutschland.
Bild 1 | Digitalisierung ist das große Zukunftsthema für den Schaltschrankbau in Deutschland.Bild: Phoenix Contact Deutschland GmbH

Im Rahmen einer großen Forschungskooperation zwischen Phoenix Contact und der Ruhr-Universität Bochum ist eine neue wissenschaftliche Studie entstanden: Sie zeichnet das Bild einer Branche, die tiefgreifende Veränderungen durchläuft. Dr. Fabian Bertelsmeier von Phoenix Contact hat Studiendesign und -durchführung maßgeblich begleitet.

Herr Dr. Bertelsmeier, eigentlich kennt doch jeder Schaltschrankbauer die täglichen Herausforderungen und Trends in der Branche. Welchen Mehrwert bringt eine solche Studie?

Natürlich hat jeder ein gewisses Grundgefühl für den Markt. Das hatten wir natürlich auch im Vorfeld der Studie. In den Ergebnissen hat sich dieses Grundgefühl auch größtenteils bestätigt und ist nun mit konkreten Zahlen untermauert worden, aber es trat auch viel Neues zutage. Bisher hat noch niemand in Deutschland in dieser Tiefe die zentralen Fragen untersucht und mit wissenschaftlichen Zahlen, Daten und Fakten belegt. Von der Frage „Wie kommuniziert der Schaltschrankbauer mit seinen Kunden und wie werden Daten ausgetauscht“ bis zu „Wie erfolgt die Fertigung und Endkontrolle eines Schaltschranks“ haben wir eine Detailtiefe, die bis dato keine andere Erhebung erreicht hat.

Die Branche ist ja sehr divers, und Sie konnten 50 ganz unterschiedliche Unternehmen für die Befragung gewinnen. Wie schwer war es, so viele Teilnehmer unter einen Hut zu bekommen?

Das war in der Tat kein Spaziergang und fängt schon mit der Definition an: Welche Unternehmen zählt man überhaupt zur Schaltschrankbaubranche? Im Rahmen der Erhebung wurden die Unternehmensformen des Schaltschrankbauers sowie des Maschinen- und Anlagenbauers unterschieden. In einer kleinen Vorstudie haben die Autoren mit fünf Firmen den Fragenkatalog geprüft und finalisiert. Auch die Methodik wurde innerhalb der Vorstudie getestet und geschärft, bevor im Jahr 2023 die Wissenschaftler auf die 50 Firmen zugegangen sind und ihre Befragungen durchgeführt haben. Die Interviews wurden vor Ort durchgeführt und beinhalteten auch eine vorherige Unternehmensbesichtigung. Die Studie bedeutete also schon einen hohen Aufwand – sowohl für die Wissenschaftler als auch für die Befragten. Im Gegenzug haben die Studienteilnehmer aber auch sehr frühzeitig Zugang zu den umfangreichen Studienergebnissen bekommen – die im Übrigen ein sehr aufschlussreiches Bild der Branche bieten.

Inwiefern aufschlussreich? Welche Bereiche haben die Wissenschaftler ganz konkret untersucht?

Sie haben sich beim Design der Studie im Prinzip an der Prozesskette im Schaltschrankbau entlanggehangelt – vom Engineering und der Projektierung über die Beschaffung und Produktion bis hin zur Auslieferung. So konnten sie den aktuellen Stand der Technik in der Branche anhand quantitativer Merkmale sehr detailliert erfassen. Der erste Teil der Studie ist bereits veröffentlicht: Er beschreibt die wichtigsten Kennzahlen der Branche, die Herausforderungen, die strategischen und technischen Trends, die durchschnittlichen Umsätze und Mitarbeiterzahl, die Bedeutung von Import und Export und viele weitere Kennzahlen.

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