Greifen wir doch mal einen Bereich heraus: Wo sehen deutsche Schaltschrankbauer sich mit großen Herausforderungen konfrontiert?
Materialengpässe sind ein wichtiger Punkt. Diese sind zu einem Teil sicher auch der „Nach-Corona-Zeit“ während der Befragung geschuldet. Aber auffällig war schon, dass nur ein Einziges von 50 Unternehmen im Schaltschrankbau keine Probleme mit Materialengpässen hatte – die 49 anderen hingegen schon. Ein Riesenthema ist für Schaltschrankbauer auch der Fachkräftemangel. Fast 90 Prozent sagen: Wir finden keine Leute. Sie versuchen dann über andere Stellschrauben, Lösungen zu finden, etwa, indem sie die Effizienz der Prozesse steigern, Verschwendung reduzieren, viel mit angelernten Kräften arbeiten. Da kommen dann etwa Lösungen wie Werkerassistenzsysteme ins Spiel. Platzmangel war auch ein Thema, das viele in der Branche beschäftigt, ein weiteres, für mich sehr interessantes Ergebnis: Trotz Platz- und Fachkräftemangel war die Auslagerung der Produktion ins Ausland für die allermeisten Schaltschrankbauer keine Option. Eine sehr standorttreue Branche also.
Apropos Fachkräftemangel: Viele der großen Zukunftstrends, die die Befragten angeben, stehen wahrscheinlich auch damit im Zusammenhang?
Sicherlich, die meisten Schaltschrankbauer denken über Automatisierungslösungen und Assistenzsysteme nach, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Als wichtigsten technologischen Trend gaben aber mehr als 90 Prozent der Befragten ganz allgemein die Digitalisierung des Engineerings und der Produktion an. 94 Prozent der Unternehmen wären bereit, die eigenen Prozesse zu verändern, wenn sie damit eine vollständige Digitalisierung des Schaltschrankbaus erreichen können. Die Unternehmen sind eigentlich immer mit einem Mix von Komponenten von unterschiedlichen Herstellern konfrontiert. Die Qualität der Daten ist daher auch immer unterschiedlich: Bei einem Hersteller müssen Schaltschrankbauer mehr nachbessern, bei anderen weniger, um eine gleichbleibende Datenqualität für ihre Anforderungen zu haben. Da sind Komponentenhersteller gefordert, gute Daten zu liefern.
Digitalisierung und Effizienzprozesse voranbringen, Fachkräfte- und Platzmangel: Das klingt nicht nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten, sondern eher nach Wachstumsschmerzen. Tangiert die derzeitige Lage den Schaltschrankbau so wenig?
Sicher spürt man heute in der Branche auch, dass in einigen Marktsegmenten wichtige Investitionen aufgeschoben oder zurückgefahren werden. Interessant ist aber, dass von den 50 befragten Unternehmen insgesamt 20 unterschiedliche Branchen beliefert werden. Und keiner der Befragten lieferte nur exklusiv in eine Branche, sondern immer in ein breites Feld. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum es den Schaltschrankbauern vergleichsweise gut geht: Sie haben sich nicht abhängig gemacht vom wirtschaftlichen Erfolg einer einzigen Branche.

















